Stürme, Dezember, vor meinem Gemach,
hänge Zapfen von Eis an das Dach;
nichts doch weiß ich vom Froste;
hier am wärmenden, trauten Kamin
ist mir, als ob des Frühlings Grün
rings um mich rankte und sproßte.
All das Gezweige, wie es flackert und flammt,
plaudert vom Walde, dem es entstammt,
redet von seligen Tagen,
als es, durchfächelt von Sommerluft,
Knospen und Blüten voll Glanz und Duft,
grünende Blätter getragen.
Fernher hallenden Waldhornklang
glaub' ich zu hören, Drosselgesang,
sprudelnder Quellen Schäumen,
tropfenden Regen durchs Laubgeäst,
der die brütenden Vögel im Nest
weckt aus den Mittagsträumen.
Stürme denn, Winter, eisig und kalt,
an den Kamin herzaubert den Wald
mir der Flammen Geknister,
bis ich bei Frühlingssonnenschein
wieder im goldgrün schimmernden Hain
lausche dem Elfengeflüster.
Es ist Schnee gefallen. Nach Mitternacht verläßt du betrunken von purpurnem Wein den dunklen Bezirk der Menschen, die rote Flamme ihres Herdes. O die Finsternis!
Schwarzer Frost. Die Erde ist hart, nach Bitterem schmeckt die Luft. Deine Sterne schließen sich zu bösen Zeichen.
Mit versteinerten Schritten stampfst du am Bahndamm hin, mit runden Augen, wie ein Soldat, der eine schwarze Schanze stürmt. Avanti!
Bitterer Schnee und Mond!
Ein roter Wolf, den ein Engel würgt. Deine Beine klirren schreitend wie blaues Eis und ein Lächeln voll Trauer und Hochmut hat dein Antlitz versteinert und die Stirne erbleicht vor der Wollust des Frostes; oder sie neigt sich schweigend über den Schlaf eines Wächters, der in seiner hölzernen Hütte hinsank.
Frost und Rauch. Ein weißes Sternenhemd verbrennt die tragenden Schultern und Gottes Geier zerfleischen dein metallenes Herz.
O der steinerne Hügel. Stille schmilzt und vergessen der kühle Leib im silbernen Schnee hin.
Schwarz ist der Schlaf. Das Ohr folgt lange den Pfaden der Sterne im Eis.
Beim Erwachen klangen die Glocken im Dorf. Aus dem östlichen Tor trat silbern der rosige Tag.
Lange Zeit gab es im christlichen Jahresablauf zwei Feiertage, die mit Gaben verbunden waren: Den Nikolaustag am 6. Dezember und den Dreikönigstag am 6. Januar, die die stille und besinnliche Zeit rund um das Fest Christi Geburt einrahmten. Dann verwandelte Martin Luther mit seinem Sinn für’s Wirkungsvolle Weihnachten in ein Familienfest und verlegte den Tag, an dem den Kindern beschert wurde, vom Nikolaustag auf Weihnachten. Dadurch veränderte sich natürlich auch die Adventszeit und bekam, obschon sie Fastenzeit war, ein viel fröhlicheres Gesicht. Dieser Traditionswandel wurde bald so beliebt, daß ihn auch die Katholiken und Orthodoxen vieler Länder übernahmen, obwohl sich in einigen europäischen Ländern bis heute auch andere Bescherungstage (Nikolaustag, Lucientag oder Dreikönigstag) erhalten haben. In der Biedermeierzeit (etwa ab den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts) kam teils durch die Entwicklung des Spießbürgertums zur beherrschenden Bevölkerungsschicht, teils unter dem Druck von Bismarcks Bespitzelungsstaat die neue Häuslichkeit hinzu. Man feierte nun lieber zuhause im kleinen Familienkreis als in der Öffentlichkeit, wodurch die Kinder weiter in den Mittelpunkt rückten.
Da Weihnachten nun das Fest des Schenkens war, an dem die Kinder im Zentrum einer Familienfeier standen, und den Kindern das Warten leicht lang wurde, entstanden Bräuche, die mit dem Gedanken des »Wie oft werden wir noch wach?« spielten. Zunächst waren dies meist »Kalender«, bei denen jeden Tag etwas hinzugefügt wurde. Bis heute haben sich hier die Krippen in den Kirchen erhalten, die an jedem Tag des Advent erweitert werden: Stroh für die Ochsen, ein Esel, Schafe, Menschen und ganz zuletzt das Kind in der Krippe. Ein anderer Brauch bestand darin, in der Kirche eine Himmelsleiter aufzustellen, auf der eine Engels- oder Kinderfigur aus Pappe angebracht wurde, die die Kinder jeden Tag um eine Leitersprosse tiefer setzen durften, bis sie schließlich die Erde erreichte. Daraus entwickelten sich dann die Kalender für zuhause. Man hängte eine leere Papptafel an die Wand, auf die die Kinder jeden Tag ein Bild kleben durften. Neben den Kalendern, die bis Weihnachten fortlaufend erweitert wurden, kamen dann mit der zunehmenden Loslösung des Weihnachtsfestes vom christlichen Jahr Kalender auf, die sozusagen rückwärts zählten, um die Wartezeit bis zum Fest des Schenkens zu verkürzen: Jeden Tag wurde ein Kreidestrich gelöscht, ein Bild geöffnet usw. Ebenso wie Weihnachten wurden auch die Adventskalender dann im 20. Jahrhundert zunehmend mit materiellem Schenken verbunden, bis die Kinder nur noch Adventskalender kannten, bei denen sie jeden Tag etwas handfestes geschenkt bekamen.
Schneeflöckchen, Weißröckchen,
Wann kommst Du geschneit?
Du wohnst in den Wolken,
Dein Weg ist so weit.
Komm, setz dich ans Fenster,
Du lieblicher Stern,
Malst Blumen und Blätter,
Alle haben Dich gern.
Schneeflöckchen,Weißröckchen,
deckst uns die Blumen zu;
Dann schlafen sie sicher
In himmlischer Ruh.
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