Titel
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Niederösterreichisch

von Franz Grillparzer (1791–1872)

Es ist geschehn, es ist geschehn
Im Dusel oder Dampus,
Wer erst berief den Nikolaus,
Den holt zuletzt der Krampus.

Weihnachtsmonolog

von Ilse Frapan (1849–1908)

aus Wir Frauen haben kein Vaterland

20. Dezember. Jetzt kommen Weihnachtsferien, morgen ist zum letztenmal Vorlesung, Viele sind schon verreist. Es ist eigentümlich – ich stehe ganz so isoliert hier, wie ich immer in der Schule stand: Niemand spricht mit mir, und ich spreche mit niemand. Ich bin scheu, ich geniere mich, ich weiß ja nicht, ob es jemand gern sähe, wenn ich ihn anredete. Aber die Einsamkeit drückt mich zuweilen, und wenn ich es wagte, bäte ich wohl einmal jemand um Rat bei meinen Studien. Wenn ich es wagte! Nein, sie sehn alle so sicher und sorglos aus – es geht nicht. Und die einzige Studentin, die mit mir hört, ist so eilig immer und grüßt nie, nicht einmal dazu nimmt sie sich Zeit. Das wäre doch Sünde, die noch zu stören.

– Weihnachtabend. Ist es wirklich Weihnachtabend? Kein Zeichen sagt es mir, außer dem dunklen Tannenkranz, den ich eben um dein geliebtes Bild gewunden habe, meine Mutter! –

Es ist im Hause wie alle Tage. In der Küche rasselt meine Wirtin mit Kesseln und Deckeln; heute Morgen hat sie mir ihr Herz ausgeschüttet. Ihr Mann hat sich vor zwei Jahren das Leben genommen und zwar, wie sie sagt, um sie zu ärgern, denn die Versicherungsgesellschaft hat ihr nichts ausbezahlt, da der Mann durch Selbstmord geendet. Nun hat sie einen Prozeß und möchte von mir Rat wissen. Es war ein sonderbares Weihnachtsgespräch; so entsetzlich abstoßend erschien mir diese Frau, die kinderlos und nicht ganz arm, mit funkelnden Augen, die lebendiggewordene Habsucht, von dem »schönen Gelde« und dem »schlechten Manne« sprach, der sich erhängt hatte, damit sie nichts bekomme. »Sie sagen noch, ich hätt ihn dazu getrieben, ich hätt ihn nicht gut behandelt,« krächzte sie, und ihr eigentlich hübsches Gesicht wurde zur Grimasse. Ich wollte, sie hätte mir das nicht erzählt; sie ist mir ganz zuwider geworden, ich möchte so bald wie möglich ausziehn. – –

Und nun sitze ich und lese im römischen Recht und lese vom Erbrecht! Man kann es ja wohl bewundern, diese Subtilitäten alle, diese feinsten Ausgestaltungen des Eigentumsbegriffes, aber sich dafür begeistern, es schön und wünschenswert finden als die Grundlage der menschlichen Beziehungen untereinander – nein, das scheint mir unmöglich! Ueberall zwischen den Blättern sehe ich habsüchtig, eigensüchtig funkelnde Augen, und Finger, zum Behalten, zum Greifen gekrümmt, strecken sich daraus hervor. Jeder Buchstabe krümmt sich zur Kralle. Ich mag nicht mehr! Heut abend nicht. Ich muß das Buch zuklappen und meine Gedanken wandern lassen – es sind ja Ferien jetzt! Das Fest der Liebe!

Ach, wo ist die Liebe?

»Jeder für sich! Jeder für sich! Jeder für sich!« so hämmert's mir im Kopf. Jeder für sich! Oh die traurige Welt! Das ist sie ja, die Welt von heute, die Welt des Egoismus, die Welt der achselzuckenden verbrecherischen Gleichgiltigkeit, die Welt der gähnenden Langeweile einerseits, die Welt der Hirn und Blut verspritzenden Frohn auf der andern Seite! Die Welt, wie jene sie gemacht haben, die bis jetzt regierten durch Benutzung der rohesten tierischen Triebe.

»Jeder für den andern!« das wäre die Welt, wie ich sie wünschte! das schöne, heitere, enthusiastische Dasein, wie ich es für eine zukünftige glücklichere Menschheit träume!

Es ist so häßlich, für sich selbst zu sorgen, sein Recht verlangen, für sich selber kämpfen, alle verliehenen und ausgebildeten Kräfte für sich selbst verwenden, – so abstoßend und so langweilig! Es ist so schön, alles das für andre einzusetzen, es ist so begeisternd, es leiht Riesenkräfte. Und gewiß, ich fühle es tief hier innen: es ist der einzige Weg zum Glück. –

25. Dezember. Ein Brief von Mama, aber vom Fest steht wenig darin. Sie schreibt, ich würde hoffentlich das Glück finden auf meinem selbstgewählten rauhen Wege. »Es giebt Menschen,« sagt sie, »die dort grade ein Vergnügen finden, wo die gesunden und nicht verschrobenen Leute, wie zum Beispiel ich, nur unnütze Erschwerungen und Unannehmlichkeiten sehn.« Dann wünscht sie mir »ein frohes Fest« und schickt mir ein schwarzes Spitzentuch. »Dein Papa ist in einer Bärenlaune, und wir haben auf nicht gerade angenehme Feiertage zu hoffen.« Arme Mama! Ich weiß ja nur zu gut, wie es sein wird. Ein Weihnachtsbaum bis zur Decke und darunter gelangweilte oder gleichgiltige oder übellaunige Gesichter, – eine Menge Kuchen, Vormittagsvisite mit Portwein, – Gäste zu Mittag – Mockturtelsuppe, Gans und Karpfen – viel Rotwein – Toaste auf alle Familienglieder, – auf die »holden« Damen, – sattes Herumsitzen in den Schaukelstühlen und Sofaecken und nie ein Wort, ein gutes, frohes Wort, ein warmes, inniges Wort, das man inwendig weiter spürte!

Ist es nicht traurig, daß es so wenig warme Plätze giebt in der Welt, und daß es die meisten von uns beständig in der Seele friert oder doch fröstelt? Die Familie sollte solch eine warme Stelle sein, aber das ist nicht mehr. Es ist nur noch ein Ort, wo die Menschen zusammenkommen, um zu essen und zu schlafen. Ihre Gedanken sind meilenfern von einander; sie leben sich nicht zur Freude, nur zur Last. Der Herd ist zerschlagen, ist entweiht. Ich bin gegangen, und ich bin dessen froh, alle Tage. Die Konvention, die Schablone, die Heuchelei hätte mich dort erstickt.

Aber so schön glänzt das alles auf den alten Bildern, daß er uns noch ergötzt, wenn auch nicht mehr erwärmt, der ferne fremde Feuerschein! –

Adventswissen

Twelve Days of Christmas – das heutige Lied

Das heutige Lied (der Text steht wie immer unten auf der Seite) gehört zu den beliebtesten englischen Weihnachtsliedern und gilt als eines der fröhlichsten, eigentlich lustigsten. Erfunden wurde es im 16. Jahrhundert jedoch, um es katholischen Kindern während der Katholikenverfolgung unter der protestantischen Herrschaft leichter zu machen, sich bestimmte Glaubenssätze zu merken. Als Deckmantel dienten die Rauhnächte (Twelve Days), die seit uralter Zeit gefeierten Tage zwischen dem Ende des alten und dem Anfang des neuen Jahres. Die zwölf Geschenke, die in dem Lied eingesammelt werden, repräsentieren zwölf biblische Begriffe, so wie sie im 16. Jahrhundert definiert waren. Da der ursprüngliche Sinn des Liedes längst vergessen ist und uns die damalige Symbolik nicht mehr viel sagt, ist der Text in verschiedenen Versionen im Umlauf.


1. Strophe: Christi Geburt, wobei »true love« (wahre Liebe) für Gott und »partridge in a pear tree« (Rebhuhn im Birnbaum) für Jesus steht. Da die Geschenke in den einzelnen Strophen rückwärts aufgezählt werden, steht Christi Geburt immer als Höhepunkt an letzter Stelle.
2. Strophe: zwei Turteltauben (turtle doves) = das alte und das neue Testament
3. Strophe: drei Kragenhühner (French hens) = Glaube, Liebe und Barmherzigkeit, die drei Haupttugenden
4. Strophe: vier Schwarzdrosseln (calling birds) = die vier Evangelien bzw. Evangelisten
5. Strophe: fünf goldende Ringe (golden rings) = die ersten fünf Bücher des alten Testaments, die den Sündenfall beschreiben.
6. Strophe: sechs legende Gänse (geese a-laying) = die sechs Tage der Schöpfung
7. Strophe: sieben schwimmende Schwäne (swans a-swimming) = die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die sieben Sakramente
8. Strophe: acht Milchmädchen (maids a-milking) = die acht Seligpreisungen
9. Strophe: neun tanzende Damen (ladies dancing) = die neun Bestandteile der Frucht des heiligen Geistes
10. Strophe: zehn springende Herrn (lords a-leaping) = die zehn Gebote
11. Strophe: elf pfeifende Pfeifer (pipers piping) = die elf gläubigen Apostel
12. Strophe: zwölf trommelnde Trommler (drummers drumming) = die zwölf Punkte des apostolischen Glaubensbekenntnisses

Das heutige Lied

The twelve days of Christmas

On the first day of Christmas,
my true love sent to me
a partridge in a pear tree.

On the second day of Christmas,
my true love sent to me
two turtle doves,
and a partridge in a pear tree.

On the third day of Christmas,
my true love sent to me
three French hens,
two turtle doves,
and a partridge in a pear tree.

On the fourth day of Christmas,
my true love sent to me
four calling birds,
three French hens,
two turtle doves,
and a partridge in a pear tree.

On the fifth day of Christmas,
my true love sent to me
five golden rings,
four calling birds,
three French hens,
two turtle doves,
and a partridge in a pear tree.

On the sixth day of Christmas,
my true love sent to me
six geese a-laying,
five golden rings,
four calling birds,
three French hens,
two turtle doves,
and a partridge in a pear tree.

On the seventh day of Christmas,
my true love sent to me
seven swans a-swimming,
six geese a-laying,
five golden rings,
four calling birds,
three French hens,
two turtle doves,
and a partridge in a pear tree.

On the eighth day of Christmas,
my true love sent to me
eight maids a-milking,
seven swans a-swimming,
six geese a-laying,
five golden rings,
four calling birds,
three French hens,
two turtle doves,
and a partridge in a pear tree.

On the ninth day of Christmas,
my true love sent to me
nine ladies dancing,
eight maids a-milking,
seven swans a-swimming,
six geese a-laying,
five golden rings,
four calling birds,
three French hens,
two turtle doves,
and a partridge in a pear tree.

On the tenth day of Christmas,
my true love sent to me
ten lords a-leaping,
nine ladies dancing,
eight maids a-milking,
seven swans a-swimming,
six geese a-laying,
five golden rings,
four calling birds,
three French hens,
two turtle doves,
and a partridge in a pear tree.

On the eleventh day of Christmas,
my true love sent to me
eleven pipers piping,
ten lords a-leaping,
nine ladies dancing,
eight maids a-milking,
seven swans a-swimming,
six geese a-laying,
five golden rings,
four calling birds,
three French hens,
two turtle doves,
and a partridge in a pear tree.

On the twelfth day of Christmas,
my true love sent to me
twelve drummers drumming,
eleven pipers piping,
ten lords a-leaping,
nine ladies dancing,
eight maids a-milking,
seven swans a-swimming,
six geese a-laying,
five golden rings,
four calling birds,
three French hens,
two turtle doves,
and a partridge in a pear tree!

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