Titel
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* * *

von Arno Holz (1863–1929)

Und wieder nun lässt aus dem Dunkeln
Die Weihnacht ihre Sterne funkeln!
Die Engel im Himmel hört man sich küssen
Und die ganze Welt riecht nach Pfeffernüssen …

So heimlich war es die letzten Wochen,
Die Häuser nach Mehl und Honig rochen,
Die Dächer lagen dick verschneit
Und fern, noch fern schien die schöne Zeit.
Man dachte an sie kaum dann und wann.
Mutter teigte die Kuchen an
Und Vater, dem mehr der Lehnstuhl taugte,
Sass daneben und las und rauchte.
Da plötzlich, eh man sich’s versah,
Mit einem Mal war sie wieder da.

Mitten im Zimmer steht nun der Baum!

Man reibt sich die Augen und glaubt es kaum …
Die Ketten schaukeln, die Lichter wehn,
Herrgott, was giebt’s da nicht alles zu sehn!
Die kleinen Kügelchen und hier
Die niedlichen Krönchen aus Goldpapier!
Und an all den grünen, glitzernden Schnürchen
All die unzähligen, kleinen Figürchen:
Mohren, Schlittschuhläufer und Schwälbchen,
Elephanten und kleine Kälbchen,
Schornsteinfeger und trommelnde Hasen,
Dicke Kerle mit rothen Nasen,
Reiche Hunde und arme Schlucker
Und Alles, Alles aus purem Zucker!

Ein alter Herr mit weissen Bäffchen
Hängt grade unter einem Aeffchen.
Und hier gar schält sich aus seinem Ei
Ein kleiner, geflügelter Nackedei.
Und oben, oben erst in der Krone!!
Da hängt eine wirkliche, gelbe Kanone
Und ein Husarenleutnant mit silbernen Tressen –
Ich glaube wahrhaftig, man kann ihn essen!

In den offenen Mäulerchen ihre Finger,
Stehn um den Tisch die kleinen Dinger,
Und um die Wette mit den Kerzen
Puppern vor Freuden ihre Herzen.
Ihre grossen, blauen Augen leuchten,
Indess die unsern sich leise feuchten.
Wir sind ja leider schon längst »erwachsen«,
Uns dreht sich die Welt um andre Achsen

Und zwar zumeist um unser Büreau.
Ach, nicht wie früher mehr macht uns froh
Aus Zinkblech eine Eisenbahn,
Ein kleines Schweinchen aus Marzipan.
Eine Blechtrompete gefiel uns einst sehr,
Der Reichstag interessirt uns heut mehr;
Auch sind wir verliebt in die Regeldetri
Und spielen natürlich auch Lotterie.
Uns quälen tausend Siebensachen.
Mit einem Wort, um es kurz zu machen,
Wir sind grosse, verständige, vernünftige Leute!

Nur eben heute nicht, heute, heute!


Ueber uns kommt es wie ein Traum,
Ist nicht die Welt heut ein einziger Baum,
An dem Millionen Kerzen schaukeln?
Alte Erinnerungen gaukeln
Aus fernen Zeiten an uns vorüber
Und jede klagt: Hinüber, hinüber!
Und ein altes Lied fällt uns wieder ein:
O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!

Liebes kleines Gespenst

von Elia W. Peattie (1862–1935)

Auf den ersten Blick war man von Elsbeth nicht gerade hingerissen. Sie war dünn und braun, hatte eine leichte Stupsnase, ihre Zehen trippelten so sanft, daß man es kaum merkte, und ihre Haare waren völlig glatt. Sah man jedoch länger hin, dann merkte man, daß sie ein bezauberndes kleines Ding war. Das glatte Haar war so fein wie Seide und hing ihr in ulkigen kleinen Zöpfen den Rücken hinab; ihre zarte braune Haut war makellos und ihr Mund sanft und wohlgeformt. Ihr ganz besonderer Charme aber lag in einer Miene, die sie schon aus Gewohnheit trug: als würde sie sonderbare Dinge wissen – deren Kenntnis gewöhnlichen Sterblichen nicht vergönnt ist. Man fühlte sich versucht, sie zu fragen:

»Was sind das für schöne Dinge, die du kennst und die andre nicht kennen? Was erblickst du mit diesen weisen, klaren Augen? Wie kommt es, daß jedermann dich liebt?«

Elsbeth war mein Patentöchterchen, und ich kannte sie besser als irgend sonst ein Kind auf dieser Welt. Aber dennoch konnte ich nicht ehrlichen Gewissens behaupten, ich sei mit ihr vertraut, denn für mich glich ihre Seele einer schönen, duftigen Landstraße, auf der ich fröhlich und in Frieden dahingehen durfte, wo ich jedoch ständig etwas Neues entdeckte. Als ich Elsbeth das letzte Mal frisch und gesund erblickte, war sie drüben in den Wäldern, zusammen mit ihren beiden kleinen Brüdern und ihrem Kindermädchen. Sie waren über die heißesten Sommerwochen dorthin gegangen, und ich närrische alte Schachtel bin ihr gefolgt, nur um ihr nahe zu sein; denn ich hatte das Gefühl, mich da aufhalten zu müssen, wo das süße Aroma ihres Lebens zu mir dringen konnte.

Eines Morgens, als ich ein wenig hinkend aus meinem Zimmer kam – ich bin nämlich auch nicht mehr so jung wie früher, und der Wind vom See her macht mir arg zu schaffen –, da tanzte mir mein kleines Patenkind entgegen und sang dabei:

»Komm mit, dann zeige ich dir meine Plätze, meine Plätze, meine Plätze!«

Vielleicht hat Miriam, als sie am Roten Meer ihren Gesang anstimmte, frohlockender geklungen; bezaubernder jedoch konnte auch sie nicht gewesen sein. Natürlich kannte ich diese »Plätze«, denn auch ich war einst ein kleines Mädchen gewesen; wer aber den eigentlichen, wahren Sinn der Worte »meine Plätze« nicht aus persönlicher Erfahrung kennt, dem würde man es vergeblich zu erkären suchen. Entweder man weiß Bescheid darüber oder nicht – so wie man auch den Sinn von Gedichten entweder versteht oder nicht. Es gibt Dinge auf der Welt, die kann man nicht erlernen.

Elsbeths zwei winzige Brüderchen waren auch da, und ich nahm jedes von ihnen bei der Hand und folgte ihr. Sobald wir zur Tür hinaus waren, im Wald, legte sich eine Art Geheimnis auf die Welt und auf uns. Wir waren angehalten, uns leise zu bewegen; und das taten wir – vermieden das Knistern und Knacken dürrer Zweige.

»Die Elfen hassen Lärm«, flüsterte mein kleines Patenkind, während sich seine Augen verschmälerten wie die einer Katze.

»Zuerst einmal muß ich meinen Zauberstab holen«, sagte es mit ehrfurchtsvollem Unterton. »Es ist sinnlos, irgend etwas ohne Zauberstab zu versuchen.«

Die winzigen Buben waren zutiefst beeindruckt, und ich muß sagen: ich ebenfalls. Es kam mir vor, als sollte ich nun endlich, wenn ich mich nicht verkehrt benahm, die Feen sehen, die sich meinem materialistischen Blick bislang entzogen hatten – ein verzauberter Moment, in dem das Leben nichts Banales zu besitzen schien.

Nicht weit von uns war eine sumpfige, dichtbewachsene Mulde, und in sie stürzte sich das kleine Mädchen. Ich konnte seinen roten Strohhut im Röhricht hüpfen sehen und fragte mich, ob es dort Schlangen gab.

»Glaubst du, es gibt dort Schlangen?« sagte ich zu einem der winzigen Jungen.

»Wenn ja«, antwortete er voller Überzeugung, »dann traun sie sich nicht, ihr etwas zu tun.«

Er überzeugte mich. Ich hatte keine Angst mehr. Fast augenblicklich kam Elsbeth aus der sumpfigen Mulde heraus. In ihrer Hand war ein brauner Rohrkolben, vollkommen glatt, dick und rund. Sie trug ihn wie eine Königin ihr Zepter – die schönen Königinnen, von denen wir in unsrer Jugend träumen.

»Kommt!« befahl sie mit einem zierlichen Wink ihres Zepters, und so folgten wir ihr. Jeder der beiden winzigen Jungen nahm mich fest bei der Hand. Wir verspürten alle drei ein wenig Ehrfurcht. Elsbeth führte uns in ein dunkles Unterholz. Die Zweige, die uns ins Gesicht schlugen, machten unsere Stirn und unsre Wangen feucht vom Tau. Ein winziger Pfad, den die lieben Füße des Mädchens getreten hatten, lenkte unsere Schritte. Der Duft von Holunder und Spritzgurken erfüllte die Luft. Ein aufgeschreckter Vogel kreischte über unsren Köpfen. Das Unterholz verdichtete sich. Plötzlich war das fahle Zwielicht der Schierlingstannen über uns, und in der Mitte des schattigen Rasenfleckchens entfaltete ein Tulpenbaum seine prachtvollen Blätter. Wogen donnerten und brachen sich unten an der Küste. Je weiter wir unseren Weg fortsetzten – mit ganz zarten Schritten –, desto feuchter wurde es. Ein grünes Schlänglein lief kokett vor uns her, und ein dickes, glänzendes Eichhörnchen schnatterte uns aus sicherer Höhe zu, wobei es sich wie ein leutseliger Gevatter den Bart strich.

Zu guter Letzt kamen wir an die bewußte Stelle. Es war eine kleine, mit samtweichem Gras bewachsene Lichtung, kreisrund und so leuchtend wie das erste Grün des Frühlings, die Halme so fein wie Algengewächse. Ein breiter Sonnenstrahl, der zwischen den Tannen hindurchfiel, übergoß sie mit einem gedämpften Licht und ließ den Wald ringsum wie purpurnen Samt erscheinen. Mein kleines Patenkind stand in der Mitte und erhob mit feierlicher Gebärde seinen Zauberstab.

»Das hier ist es«, sagte das Mädchen mit einem Unterton voll wundersamer Freude.

»Hier komm ich her, um mit den Feen zu tanzen. Seht ihr sie?«

»Wen?« flüsterte der eine der winzigen Jungen.

»Die Feen.«

Eine Stille trat ein. Der ältere Junge zog mich am Rock.

»Siehst du sie?« fragte er mit erwartungsvoll zitternder Stimme.

»Offen gestanden«, antwortete ich, »bin ich wohl schon zu alt und zu verdorben, um Feen zu sehen, und dennoch – sind ihre Hüte rot?«

»Ja, das sind sie«, lachte mein kleines Mädchen. »Ihre Hüte sind rot und so klein – so klein!« Es hielt den Nagel seines Fingerchens hoch, um uns die rechte Vorstellung zu geben. Er schimmerte wie Perlmutt.

»Und sind ihre Schuhe ganz spitz vorne?«

»O ja, sehr spitz!«

»Und sie haben grüne Gewänder?«

»Grasgrüne.«

»Und blasen in kleine Hörner?«

»Ganz allerliebste kleine Hörner!«

»Ich glaube, ich kann sie sehen!« rief ich.

»Wir auch! Wir sehen sie auch!« sagten die winzigen Buben, lachend vor Glück.

»Und ihr hört doch auch ihre Hörner?« fragte mein kleines Patenkind etwas aufgeregt, so als habe es Angst, wir könnten es nicht vernehmen.

»Wir hören doch ihre Hörner?« fragte ich die winzigen Buben.

»Wir glauben, wir hören ihre Hörner!« riefen sie. »Meinst du nicht?«

»Es muß wohl so sein«, antwortete ich. »Sind wir nicht sehr, sehr glücklich?«

Wir alle lachten, nicht allzu laut. Dann küßten wir einander, und ihren Zauberstab hoch in der Luft, führte Elsbeth uns hinaus.

So fanden meine Schritte den verlorenen Pfad nach Arkadien.

Am nächsten Tag wurde ich an die Pazifikküste gerufen, wo mich gewisse Pflichten bis in den Dezember festhielen. Ein paar Tage vor dem geplanten Datum meiner Rückkehr kam ein Brief von Elsbeths Mutter.

»Unser kleines Mädchen ist ins Unbekannte verschwunden«, schrieb sie – »jenes Unbekannte, in das es anscheinend immer einen Blick tun wollte. Wir wußten, daß es fortgehen würde, und wir haben es ihm gesagt. Es war sehr tapfer, bat uns aber von ganzem Herzen, daß wir irgendwie versuchen sollten, es bis nach Weihnachten hierzubehalten. ›Meine Geschenke sind noch nicht fertig‹, jammerte es. ›Und ich war doch auch so gespannt, was ich bekommen würde. Ohne mich habt ihr doch wohl kaum ein sehr fröhliches Weihnachten? Könnt ihr nicht irgendwie machen, daß ihr mich bis danach behaltet?‹ Wir konnten es nicht ›machen‹, weder mit Gott im Himmel noch mit der Wissenschaft auf Erden, und unser kleines Mädchen ist nicht mehr.«

Sie war nur mein Patentöchterchen, und ich bin eine alte Jungfer. Es ist nicht meine Sache, mich über Kinder zu grämen. Doch es schien, als sei meine Verbindung zu Licht und Schönheit abgerissen. Durch diese kristallklare Seele hatte ich stets nur das Hübscheste, das Bezauberndste gesehen. Aber vorbei ist vorbei! Ich kehrte nach Hause zurück, trat einen Lehrgang in ägyptischer Geschichte an und beschloß, mich mit nichts zu befassen, was jünger als die Ptolemäer war.

Ihre Mutter hat mir erzählt, wie sie und Elsbeths Vater an Heiligabend nach gewohnter Sitte die Strümpfe der Kleinen füllten und sie an dieselbe Stelle wie immer hängten, den Kamin. Ihr Herz war kaum bei der Sache, aber sie hatten dieses Jahr an nichts gespart und überhäuften die beiden winzigen Jungen mit allen Schätzen, von denen sie glaubten, sie würden ihnen gefallen. Sie fragten sich, wie sie früher so dumm, so gedankenlos hatten sein können, an Weihnachten zu knapsen, und warum sie Elsbeth letztes Jahr nicht die Klaviaturzither gekauft hatten, die sie sich gewünscht hatte.

»Und jetzt –«, begann ihr Vater, als ihm die Zither wieder einfiel; aber natürlich brachte er seinen Satz nicht zu Ende, und die zwei fuhren mit Feuereifer in ihrer Arbeit fort. Es gab zwei Strümpfe und zwei Spielzeugstapel. Zwei Strümpfe nur und nur zwei Spielzeugstapel! Zwei ist sehr wenig! Sie verließen das Zimmer, machten das Licht aus, und einige Zeit später waren sie eingeschlafen – lange Zeit später. Vielleicht war dies der Zeitpunkt, da die winzigen Jungen erwachten, sich ihre kleinen Bademäntel und Pantoffeln anzogen und nach dem Zimmer stürzten, in das immer die Weihnachtssachen kamen. Der ältere hielt eine Kerze, die ein schwaches Licht aussandte. Der andere folgte hinter ihm durch das stille Haus. Sie waren sehr neugierig und gespannt, doch als sie an die Wohnzimmertür gelangten, machten sie halt, weil sie sahen, daß schon ein anderes Kind ihnen zuvorgekommen war.

Es war ein zierliches kleines Geschöpf, das in seinem weißen Nachthemd dasaß. Zwei lustige, zerzauste Zöpfchen fielen ihm auf den Rücken, und es schien zu weinen. Noch während die beiden Jungen zusahen, stand es auf, streckte einen zarten Finger aus, wie es Kinder tun, wenn sie zählen, und vergewisserte sich traurig – dreimal insgesamt –, daß nur zwei Strümpfe und zwei Spielzeughaufen da waren! Nur diese und nicht mehr. Das kleine Wesen wirkte so vertraut, daß die beiden Jungen schon darauf zugingen, aber gerade in diesem Moment hob es sich einen Arm vor die Augen, wie Elsbeth es getan hatte, wenn sie weinte oder eingeschnappt war, huschte fort und ging aus. Das zumindest sagten die Jungen. Das kleine Ding ging aus, wie eine Kerze ausgeht.

Sie rannten los und weckten ihre Eltern, um ihnen die Geschichte zu erzählen, und mit tiefem Staunen, Zweifel, Hoffnung und Tumult wurde das ganze Haus durchsucht! Aber nichts war zu finden. Nächtelang hielten sie Wache. Doch nichts war da außer dem stillen Haus. Den leeren Zimmern. Sie sagten den Jungen, sie müßten sich getäuscht haben. Aber die Jungen schüttelten den Kopf.

»Wir kennen unsere Elsbeth«, sagten sie.

»Es ist unsere Elsbeth gewesen, und sie hat geweint, weil es keinen Strumpf und keine Spielsachen für sie gab, und wir hätten ihr ja all unsre eigenen geschenkt, nur ist sie ausgegangen – einfach aus!«

O weh!

Am nächsten Weihnachten half ich bei der kleinen Feier. Es ging mich zwar nichts an, aber ich bat darum, zu helfen, und sie ließen mich; und als wir das Ganze fertig hatten, gab es drei Strümpfe, drei Spielzeughaufen, und der größte davon enthielt alles, was mir nur eingefallen war, alles, was mein liebes Kind glücklich machen würde.

In dieser Nacht schloß ich das Jungenzimmer ab und schlief auf dem Diwan im Salon, abseits der Wohnstube. Ich schlief nur wenig, und die Nacht war sehr ruhig – so windstill, weiß und lautlos, daß ich das leiseste Geräusch gehört hätte. Aber ich hörte keins. Hätte ich in meinem Grab gelegen, dann wäre mir kaum weniger ans Ohr gedrungen. Als es jedoch Tag wurde und ich losging, um die Schlafzimmertür der Jungen aufzuschließen, sah ich, daß sowohl der Strumpf als auch alle die Schätze, die ich für mein Patentöchterchen gekauft hatte, fort waren.

Keine Spur davon war mehr da! Natürlich sagten wir den Jungen nichts. Was mich selbst betrifft, so ging ich nach dem Abendessen heim, um mich erneut in mein Geschichtsstudium zu vertiefen, und ich war so vertieft, daß ich nicht merkte, wie es Mitternacht wurde. Wahrscheinlich hätte ich gar nicht aufgeblickt und die Uhrzeit gesehen, wäre nicht dieser leise, liebliche Klang gewesen, wie von einem Kind, das ein Saiteninstrument spielt. Er war so fern und zart, daß ich ihn kaum hörte, doch gleichzeitig so freudevoll und sanft, daß ich einfach hinhören mußte, und als ich ihn ein zweites Mal vernahm, da schien es mir, als dringe das Echo eines Kinderlachens an mein Ohr. Im ersten Augenblick war ich verwundert. Dann fiel mir die kleine Klaviaturzither wieder ein, die ich neben anderen Dingen in den verschwundenen Spielzeugstapel gelegt hatte.

Und ich sagte laut:

»Ade, du liebes kleines Gespenst! Gehe hin und ruhe. Ruhe in Freude, du liebes kleines Gespenst. Ade, ade!«

Das ist nun schon Jahre her, und seitdem herrscht Stille. Elsbeth war immer ein folgsames kleines Ding.

Das heutige Lied

Kling, Glöckchen

Kling, Glöckchen, klingelingeling
Kling, Glöckchen, kling.
Laßt mich ein ihr Kinder,
’s ist so kalt der Winter;
Öffnet mir die Türen,
Laßt mich nicht erfrieren!
Kling, Glöckchen, klingelingeling
Kling, Glöckchen, kling.

Kling, Glöckchen, klingelingeling
Kling, Glöckchen, kling.
Mädchen hört und Bübchen,
Macht mir auf das Stübchen!
Bring euch milde Gaben,
Sollt euch dran erlaben.
Kling, Glöckchen, klingelingeling
Kling, Glöckchen, kling.

Kling, Glöckchen, klingelingeling
Kling, Glöckchen, kling.
Hell erglühn die Kerzen,
Öffnet mir die Herzen!
Will drin wohnen fröhlich!
Frommes Kind, wie selig!
Kling, Glöckchen, klingelingeling
Kling, Glöckchen, kling.

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