Konstantin Bal'mont lebte von 1867 bis 1942. Er gehört zur älteren Generation der Symbolisten, der auch zum Beispiel Brjusov, Sologub und Remizov zugerechnet werden. Um 1905 ist Bal'mont das Idol der russischen Jugend. Nach Jahren der auf sozialkritische Themen konzentrierten Poesie ist er es, der im russischen Lesepublikum wieder Liebe für Gedichte weckt. Er verschreibt sich keiner bestimmten Philosophie oder Mystik, kein Thema ist für ihn aus dichterischer Sicht mehr wert als andere. Er will alle Erfahrungen unmittelbar festhalten. Ebenso verfährt er mit der Sprache. Was ein Wort an sich bedeutet, ist ihm gleichgültig. Wichtig ist, welche Gefühle es hervorruft. So wirken Bal'monts Gedichte sorglos, aus der Laune des Augenblicks heraus hingeschrieben (tatsächlich hat er sie nie überarbeitet), und sind dabei temperamentvoll, phantasiegeladen und von ungewöhnlicher Musikalität.
Bal'mont ist der Dichter des Individualismus und der Amoral; ausgesprochene Egozentrik durchzieht seine Gedichte; die erotischen Gedichte gelten als provokativ und schockierend. Bal'monts Gedichtband Budem kak solnce (Laßt uns wie die Sonne sein) zählt zu den besten Veröffentlichungen der Dekadenz. Die Gleichsetzung von Ich und Sonne im Titel weist bereits auf das Hauptthema dieser Gedichtsammlung hin: die Selbstverherrlichung des Übermenschen, die Anbetung des eigenen Ich. Als äußere Form bevorzugt Bal'mont das Sonett, das mit seiner mathematischen Konstruktion und dem festen Reimschema kühl wirkt. Er wird der Meister des Binnenreims genannt.
1905 schließt sich Bal'mont den Sozialdemokraten an und verfaßt aufwieglerische Verse. Als er daraufhin aus Rußland fliehen muß, macht er zahlreiche Reisen in exotische Länder, was seinen Themenvorrat enorm bereichert. 1913 darf er aufgrund einer Amnestie in seine Heimat zurückkehren, doch 1917 emigriert er wegen seiner antibolschewistischen Haltung endgültig. Im Exil lebt er in Armut und Vergessenheit; ab 1932 leidet er an einer Geisteskrankheit.