Evgenij Baratynskij lebte von 1800 bis 1844, also in der Übergangszeit von Romantik zu Realismus, zum Materialismus und Utilitarismus des 19. Jahrhunderts. In seiner Frühzeit verfaßte er epikureische und Liebeslyrik, vor allem besteht sein Werk jedoch aus philosophischen, meditativen Gedichten. 1827 veröffentlichte er zum Beispiel das antiutopische Gedicht Poslednjaja smert' (Der letzte Tod), und in Poslednij Poet (Der letzte Dichter, 1835) bezweifelte er die Möglichkeiten der Poesie im "eisernen Zeitalter" wirtschaftlicher Mühsal. Besonders deutlich wird sein Zweifel am "Fortschritt" in seinem letzten Gedichtband Sumerki (Dämmerung, 1842), in dem er die Tragik des einsamen Menschen in einer Welt beschreibt, die eine soziale Gemeinschaft durch Wirtschaft und alles Schöne und Tiefsinnige durch bloßen materiellen Nutzen ersetzt.
Seine „fortschrittlichen“ Zeitgenossen verstanden Baratynskij nicht und hielten ihn für pessimistisch. Zu Lebzeiten wurde er nur von Puškin hoch geschätzt. Tatsächlich anerkannt wurde er erst von den Symbolisten.