Charles Baudelaire

Texte von Charles Baudelaire




(Quelle: Wikipedia)

Charles-Pierre Baudelaire (1821 bis 1867) zählt zu den wichtigsten französischen Dichtern der Moderne.

Im Alter von sechs Jahren verliert Baudelaire seinen Vater. Die strenge Erziehung seines Stiefvaters, eines Generals, den seine Mutter 1828 heiratet, führt schließlich zur Rebellion. 1838 taucht er in der Pariser Bohème unter anstatt das begonnene Jurastudium konsequent zu betreiben. Er wird darauf hin von seinem Stiefvater auf eine Reise nach Kalkutta geschickt. Bei Mauritius verläßt er jedoch das Schiff, kehrt nach Paris zurück und fordert die Auszahlung seines väterlichen Erbes. Für Alkohol, Drogen, eine kleine Gemäldesammlung und Frauen hat er dieses Erbe bereits 1842 ausgegeben, 1844 stellt ihn ein Pariser Gericht auf Betreiben seines Stiefvaters unter Vormundschaft.

Baudelaire wird nun journalistisch und schriftstellerisch tätig. Nebenbei übersetzt er als erster Edgar Allan Poe ins Französische. Seine Übersetzungen gelten in Frankreich noch heute als Standard.

Er schließt unter anderem Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Honoré de Balzac und dem Maler Eugène Delacroix und verehrt Richard Wagner, den Komponisten, der zu dieser Zeit die Musik revolutioniert. Auch der Komponist Franz Liszt spielt eine große Rolle in Baudelaires Welt. Ihm widmet er ein Prosastück.

Baudelaire prägt für sein Schaffen den Ausdruck der literarischen Moderne. Dabei sucht er dem Ineinander des Faszinierenden der Großstadt und Industrie mit der Dekadenz, dem Bösen, Häßlichen und Kranken einen Ausdruck zu verleihen. Die verschiedenen (scheinbar völlig gegensätzlichen) Dinge und Zustände sollen einander illuminieren und das Schreiben mit Idee und Frische versorgen.

Seinen Depressionen sucht Baudelaire den Konsum von Drogen wie Opium, Haschisch und Alkohol entgegenzustellen.

Als seine Les Fleurs du Mal (Die Blumen des Bösen) 1857 (deutsch 1901) erscheinen, werden Autor, Verleger und Drucker der Obszönität und Blasphemie angeklagt und der „Beleidigung der öffentlichen Moral und der guten Sitten“ für schuldig befunden. Sie werden zu Geldstrafen verurteilt.

Beispielhaft seien aus zwei Texten von Les Fleurs du Mal wenige Zeilen zitiert, die die Anklagegründe beleuchten:

Du Vater aller der, die Gottes eitles Prahlen
Mit der Vertreibung aus dem Paradies bezahlen,
Erbarme, Satan, dich auch meiner tiefen Qualen!
aus: Satanslitaneien

Geschlechter Abels, eure Leichen
Sind einmal fetter Erden Dung!
Geschlechter Kains, in euren Reichen
Ist, was ihr tatet, nicht genug!
Geschlechter Abels, feig Gewimmel;
Das Eisen ward des Schaftes Spott!
Geschlechter Kains, erstürmt den Himmel
Und stürzt zur Erde nieder Gott!
aus: Kain und Abel, vgl. zur abweichenden biblischen Wertung der Geschichte 1. Mose (Genesis) 4,1-16 (http://www.bibel-online.net/buch/01.1-mose/4.html).

Sechs Gedichte seines Werkes werden gestrichen. In einer zweiten Auflage ergänzt er allerdings 32 neue Texte.

Viele seiner Gedichte werden auch durch sein Interesse an der Synästhesie beeinflußt, der Fähigkeit sensorischer Kopplung zum Beispiel von Gesichts-, Gehör-, und Geruchssinn. So verfaßt er die Correspondances und verwendet Bilder für aus der Synästhesie gewonnene symbolische Erfahrungen. Baudelaire ist Sensualist, verliebt in Empfindungen, er sucht sie zu erfahren und in einem wilden Überfluß auszudrücken.

Krankheit, eine fortschreitende Lähmung und Sprachstörungen, eventuell die Folge erblicher Neigung zur Arteriosklerose und einer verschleppten Syphilis, hindert ihn dann an seiner weiteren Arbeit. Baudelaire stirbt, völlig ausgezehrt, am 31. August 1867 in einer Pariser Anstalt und wird während eines fürchterlichen Gewitters auf dem Friedhof von Montparnasse in Paris begraben.

Einige seiner Werke sind erst nach seinem Tod veröffentlicht worden.

Sein Werk ist erst im 20. Jahrhundert in seiner Bedeutung allgemein anerkannt worden. Im 19. Jahrhundert war Baudelaire (zeitgemäß) als drogensüchtiger und vulgärer Autor teilweise umstritten, wurde jedoch von der europäischen Intelligenz dieser Zeit regelrecht aufgesogen.

Baudelaire gilt als Begründer des Symbolismus; er beeinflußte unter anderem Verlaine, Stéphane Mallarmé und Stefan George; er ist bis heute einer der wichtigsten (und leider nach wie vor mißverstandendsten) Dichter der Moderne. Als Kunstkritiker verbreitete er – den damals ziemlich revolutionären – Gedanken, daß ein Kunstwerk nicht eine möglichst „realistische“ Wiedergabe zu sein habe, sondern gerade durch Verfremdung und Verwandlung des jeweiligen Gegenstands dessen Kern und Idee darstellen solle.

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Charles Baudelaire, Die Blumen des Bösen / Les Fleurs du Mal. Vollständige zweisprachige Ausgabe Deutsch / Französisch. Charles Baudelaire, Die künstlichen Paradiese. Die Dichtung vom Haschisch. Charles Baudelaire, Die Tänzerin Fanfarlo und Der Spleen von Paris. Prosadichtungen.