Aleksandr Blok

Texte von Aleksandr Blok




Aleksander Blok lebte von 1880 bis 1921. Er war der einzige symbolistische Dichter, der sich einer breiten Beliebtheit erfreute und auch in der Sowjetunion großes Ansehen genoß. Seine Poesie verkörpert den Symbolismus in seiner vollendetsten Form, enthält jedoch auch Neuerungen. So beeinflußten etwa seine tonischen Verse auch die Futuristen.

1904 veröffentlichte Blok Stichi o prekrasnoj dame (Verse von der schönen Dame), mystisch-erotische Verse, in denen er ein impressionistisches Bild von der geistigen Dimension des Lebens zeichnet. Die „Schöne Dame“ ist abwechselnd Maria, das „Ewig Weibliche“ und die göttliche Weisheit Sophia. In der Folgezeit erweitert er das Bild der „Schönen Dame“ um das der „Unbekannten“, um sich schließlich von der „Schönen Dame“ zu distanzieren. Zur Verkörperung der „Unbekannten“ werden nun die Straßendirnen Petersburgs. Direkt gegenübergestellt werden das frühe Ideal und die verabscheuungswürdige Realität der Großstadt in dem lyrischen Drama Neznakomka (Die Unbekannte, 1907). Diese Wende leitet auch Bloks Bruch mit den Symbolisten ein, der in den pessimistischen und desillusionierten Werken Balagančik (Die Schaubude, 1906) und Snežnaja maska (Die Schneemaske, 1907) endgültig vollzogen wird.

Blok haßte die bürgerliche und Stadtkultur, und bereits 1908 sah er in Na pole Kulikovom (Auf dem Schnepfenfeld) den Ersten Weltkrieg und die daraus folgende Revolution voraus. Diese Haltung führt ihn schließlich zu dem Gedicht Dvenadcat' (Die Zwölf, 1918), in dem 12 Rotgardisten fluchend, plündernd und mordend durch Petrograd ziehen. Die verhaßte bürgerliche Gesellschaft ist verkörpert in der Prostituierten, die ein Rotgardist aus Eifersucht ermordet, und in dem räudigen Hund, die hinter den Männern herläuft. Unerwartet taucht am Ende des Gedichtes plötzlich Jesus auf, um die 12 anzuführen. Dieses Versepos rief (und ruft) sehr unterschiedliche Reaktionen hervor: Daß die 12 Schufte von Christus angeführt werden, wurde als Blasphemie gewertet; andere Kritiker meinten, Christus trete nicht als Anführer auf, sondern werde von den Rotgardisten erschossen. Die einen meinten, das Gedicht sei eine Verherrlichung der Revolution, die anderen betrachteten es als Satire auf die Revolution. Später, als Blok von der lange ersehnten Revolution desillusioniert war, distanzierte er sich von diesem Gedicht.

Ebenfalls 1918 verfaßte Blok das Gedicht Skify (Die Skythen), in dem er den Westen leidenschaftlich aufruft, es dem revolutionären Rußland gleichzutun und am „Fest der Brüderlichkeit und des Friedens“ teilzunehmen.

Diese beiden Gedichte waren Bloks Schwanengesang – und der Schwanengesang der herausragenden literarischen Periode, die mit Puškin begonnen hatte, und an deren Zerstörung Blok selbst im Namen der „Zukunft“ mitgewirkt hatte. Blok war nicht nur der letzte Dichter des zaristischen Rußland, dessen urbane Kultur ihm verhaßt war, obwohl er deren feinfühligster Vertreter war, und der erste Dichter der siegreichen Revolution, deren wahres Gesicht ihn bald seiner Illusionen beraubte. Er ist damit nicht nur der herausragendste Vertreter des Symbolismus, sondern auch ein Vertreter einer großen Mehrheit der Künstler und Intellektuellen seiner Zeit, die das alte Regime zwar abgeschafft sehen wollten, aber nicht so.