Valerij Brjusov

Texte von Valerij Brjusov




Valerij Brjusov lebte von 1873 bis 1924 und gehörte der älteren Generation der Symbolisten an. 1894/95 veröffentlichte er drei Bände mit dem Titel Russkie simvolisty (Russische Symbolisten), die Übersetzungen französischer Poesie sowie eigene symbolistische Gedichte enthielten. Mit diesen Bänden stieß er noch überall auf Gelächter, doch seine folgenden Gedichtbände Chefs d'œuvre (1895) und Me eum esse (1897) wurden zur Bibel der Moskauer Dekadenz, und die 1900 und 1903 veröffentlichten Sammlungen Tertia vigilia und Urbi et orbi machten ihn zum Führer der neuen Literatur.

In seinen ersten Gedichten flieht Brjusov vor der Wirklichkeit und allem Sozialen, seine Bilder sind häufig weit hergeholt und abstoßend. Dann jedoch entdeckt er die Großstadt, und sein Pessimismus wird von einer Begeisterung für Industrie und Technik abgelöst. Die Stadt ist für ihn der neue Zauberwald, voller Geheimnisse und Mysterien. Nach der gescheiterten Revolution von 1905 wandelt sich dieses Bild erneut. Die Stadt ist nun ein höllischer Ort, an dem der Teufel Fallstricke legt. Weitere Themen neben der Stadt sind sexuelle Extase, Liebe als mystisches Ritual, Selbstmord und Drogen. Brjusov experimentiert ständig mit neuen Reimschemata, neuen Begriffen und Allegorien. Seine Poesie ist anational und apolitisch. Er wurde häufig als der gebildeste Schriftsteller Rußlands und genialer Rhetoriker bezeichnet.

Weniger bekannt als seine Lyrik sind Brjusovs Prosawerke. In der Utopie Respublika Južnogo Kresta (Die Repuklik des Südkreuzes, 1905) wird die Sternenstadt von einer Epidemie heimgesucht, die bewirkt, daß jeder das Gegenteil dessen macht, was er denkt. Der historische Roman Ognennyj Angel (Feuerengel, 1908) erzählt von einem deutschen Söldner zur Zeit Luthers und von Hexerei. Dieser Roman zeugt von Brjusovs genauer Kenntnis dieser Zeit und steht Werken wie etwas Ecos Der Name der Rose in nichts nach (eher kann er als deren Vorbild gelten).

Nach 1917 stellte sich Brjusov als Zensor in die Dienste der Bolschewisten, trat in die Kommunistische Partei ein und verfaßte Gedichte im Geiste der revolutionären Romantik.