Afanasij Fet

Texte von Afanasij Fet




Afanasij Fet lebte von 1820 bis 1892. Er gehörte zur Schule der „reinen Kunst“, die an die Schriftsteller appellierte, sich von dem Übermaß an Didaktik in der Literatur (Natürliche Schule, Realismus) abzuwenden und der Kunst an sich wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Der Dichter solle sich nicht für die zeitlich beschränkten Interessen einer bestimmten Gruppe vereinnahmen lassen, sondern über dem Alltäglichen, über den nur einen Moment lang weltbewegend erscheinenden Nichtigkeiten stehen.

1840 erschien Fets erste Gedichtsammlung, Liričeskji panteon (Lyrischer Pantheon), in der der Einfluß des Puschkin-Kreises deutlich spürbar ist. Ein Hauptmotiv ist die musikalisch anmutende Umsetzung von Phantasien und Träumen in Poesie.

In den 50er Jahre des 19. Jahrhunderts war Fet ein berühmter und beliebter Dichter, 1863 wurde eine vollständige Ausgabe seiner Werke veröffentlicht. Doch dann folgten heftige Kritik und ein zwanzigjähriges Schweigen, als die radikalen Antiästheten immer mehr in den Vordergrund traten, für die nur diejenige Literatur etwas wert war, die eine klare sozialkritische oder politische Botschaft enthielt. In gewisser Weise war diese Forderung zu jener Zeit zwar berechtigt, da aufgrund der rigorosen zaristischen Zensur Sozialkritik tatsächlich nur indirekt unter dem Deckmantel der Kunst und Kunstkritik möglich war – aber statt Kunst kam dabei dann eben oft genug wirklich nur ein Deckmantel heraus. Dies ist übrigens kein russisches Phänomen. Von den 48-er Revolutionen bis zum Fin de Siècle war Europa ja allgemein so sehr der Biederkeit, selbstgerechten Bigotterie und materiellen Gewinnsucht verschrieben, daß weithin nur utilitaristische und moralisierende Werke als echte Literatur anerkannt wurden.

In seinen späteren Jahren wurde Fet zwar von Turgenev und Lev Tolstoj unterstützt, aber wirklich verstanden wurde seine Poesie erst wieder von den Symbolisten. Zum Verläufer der Symbolisten wurde Fet insbesondere durch seinen letzten Gedichtband, Večernie ogni (Abendliche Feuer) und seine späte Gedankenlyrik. In diesen Gedichten spiegelt sich Fets Auseinandersetzung mit Schopenhauer wider; sie verbinden eine mystische Tendenz mit strengem Formbewußtsein.

Tatsächlich gehört Fet zu den hervorragendsten russischen Dichtern. Meisterhaft stellt er das Besinnliche und Augenblickliche dar: im Entstehen begriffene Gefühle, vage und widersprüchliche Empfindungen, die er thematisch vor allem in Natur- und Liebeslyrik einbindet. Seine Gedichte sind fast immer optimistisch und in einer sehr flexiblen und musikalischen Sprache verfaßt.