Zinaida Gippius

Texte von Zinaida Gippius




Zinaida Gippius lebte von 1869 bis 1945 und war mit dem berühmtesten Vertreter der älteren Symbolisten, Dmitrij Merežkovskij, verheiratet. Gemeinsam bildeten sie das Zentrum der religiös-philosophischen Bewegung. In Petersburg unterhielten sie einen der berühmten literarischen Salons der sogenannten Dekadenz. In der Kritik ihrer Zeitgenossen kommt Gippius nicht gut weg, da sie eine gnadenlose und höchst sarkastische Kritikerin war. In ihrer politischen Einstellung unterschieden sich Gippius und Merežkovskij zunächst: Gippus begrüßte die Revolution von 1905, Merežkovskij lehnte sie als Linksrutsch ab. Beide wandten sich 1917 gegen die bolschewistische Machtübernahme und emigrierten 1919 endgültig nach Paris. Die neue kommunistische Regierung in Rußland bezeichneten sie als das „Reich des Antichristen“ (Carstvo Antichrista, Titel eines scharfen Pamphlets).

Als Dichterin war Gippius wesentlich bedeutender als ihr Mann; sie gehört zu den sogenannten metyphysischen Symbolisten. Alles, was sie schrieb, war von ihren Ideen beherrscht, die sie höchst abstrakt formulierte, weshalb ihre technisch vollendete Poesie häufig schwer zu entschlüsseln ist. Unter dem Einfluß Dostoevskijs stellte sie die Menschen in Grenzsituationen dar. Ihre zweifelnde Einstellung fand in der Vergötterung des Ich ihren Ausdruck: Das Ich ist die einzig wirkliche Wirklichkeit. Als eine der ersten griff sie die für die Symbolisten wichtigen Themen auf: Tod, Religion, Erotik und Dämonisches. In Paris wurde sie zur wichtigsten Dichterin der russischen Emigration; ihre Tagebücher dieser Zeit geben Aufschluß über die Stimmungen der russischen Intelligencija, die die russische Revolution nicht akzeptierte und sie mit Tat und vor allem Wort bekämpfte.

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