Ivan Krylov

Texte von Ivan Krylov




Ivan Andreevič Krylov lebte von 1769 bis 1844, also in der Übergangszeit von der Aufklärung über den Sentimantalismus zur Romantik. Er ist wohl der berühmteste russische Fabeldichter und schrieb über 200 Fabeln, von denen viele bereits 1842 erstmals ins Deutsche übersetzt wurden. Krylov war Fabeldichter und das bedeutet, daß er im Wesentlichen ein Satiriker war, denn im Gegensatz zur deutschen – man denke etwa an Gellert – ist die russische Fabel nicht Ausdruck moralischen Naserümpfens, sondern bissige Kritik an Menschlichem und Gesellschaftlichem. Kritik mit ästhetischen Mitteln natürlich, sonst wäre es ja keine Satire. Durch ihren zweigeteilten Aufbau mit Geschichte und Moral eignet sich die Fabel hervorragend als Transportmittel für satirische Inhalte: In der Schlußmoral hält sie sich scheinbar brav an die anerkannten fabelhaften Tugenden und kann so in der eigentlichen Handlung soziale, menschliche und politische Mißstände scharf kritisieren, ohne von der Zensur behelligt zu werden. Krylovs Figuren sind daher auch keine schematischen Darstellungen von Tugenden und Untugenden, sondern lebensechte Personen mit den dazugehörigen individuellen und sozialen Zügen. Sie reichen vom Bauern bis zum Zaren und sprechen die komprimierte und bilderreiche Sprache des Volkes, was in der Literatur dieser Zeit, die noch an der Überwindung der stringenten stilistischen Vorgaben des Klassizismus arbeitet, keineswegs selbstverständlich ist.

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