Ildikó von Kürthys Mondscheintarif ist einer der sehr wenigen sogenannten Frauenromane, die mir ehrlich gefallen. Die absoluten Tiefpunkte in dieser Hinsicht waren Hellers Beim nächsten Mann wird alles anders – Selbstmitleid ohne Eigeninitiative, Gehässigkeit ohne Humor, plump und ideenlos – und Hauptmanns Suche impotenten Mann fürs Leben – völlig unaufrichtig und zudem ohne Witz; ein Weibchen, das sich ausschließlich als Anhängsel eines Mannes definiert, hält sich selbst für eine eigenständige, intelligente Frau, will tatsächlich jedoch nur eines: einen „richtigen Mann“. Die meisten „Frauenromane“ sind doch sehr frauenfeindlich. Sie klingen, als seien sie von Männern der vorvorvorletzten Generation geschrieben, die auf diese wenig subtile Art wieder einmal die – oh Schande! – nicht mehr mannshörige Frau durch den Dreck ziehen wollten.
Ildikó von Kürthy schreibt da ganz anders. Ihre Heldin Cora ist weder männerfeindlich noch männerhörig und hat zudem eine gehörige Portion Witz. Und genau das ist ihr Problem. Mit Mitte Dreißig ist sie erwachsen genug, um Zweisamkeit als erstrebenswertes Ziel zu erkennen, aber auch, um mehr zu erwarten als einen Mammutjäger, an dem die letzten 100.000 Jahre spurlos vorübergegangen sind. Und so erlebt sie alle Höhen und Tiefen einer intelligenten modernen Frau. Was das Buch so lesenswert macht, ist der Humor, mit dem Cora ihre eigenen Stimmungsschwankungen, ihre menschlichen und allzumenschlichen Schwächen beäugt und kommentiert. Ein Buch, in dem man sich wiedererkennt. Und ein Buch, das viele alte Wahrheiten enthält, die jeder Frau bekannt sind und die kein Mann jemals zugeben wird. ;-)
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