Osip Mandel'štam lebte von 1891 bis 1938 und ist einer der wichtigsten Vertreter des Akmeismus.
Mandel'štams Poesie verbindet Gegensätze: In verstechnischer Hinsicht ist er konservativ und orientiert sich am streng klassischen Puškin. Dies ist, nebenbei gesagt, auch der Grund dafür, daß der Akmeismus gelegentlich als neoklassizistische Reaktion auf den Symbolismus bezeichnet wird. Hinsichtlich der poetischen Semantik ist Mandel'štam jedoch Avantgardist. Das heißt, er löst die gängige Vorstellung von der Wirklichkeit auf, indem er verschiedene Wirklichkeiten zu einem neuen Ganzen verschmilzt. Kamen' (Der Stein) und Tristija enthalten poésie pure, die von Mandel'štams umfassender europäischer Bildung zeugt: Er greift auf die hellenistische, römische und byzantinische Kultur ebenso zurück wie auf die orthodoxe Liturgie und die jüdische Mystik.
Er ist ein zapadnik, hängt jedoch mit Leib und Seele an der russischen Kultur. Besonders häufig besingt er die majestätische Pracht Petersburgs, wobei er das zeitgenössische, von vielen Dichtern als sterbend bezeichnete Petersburg „Petropolis“ nennt. Das Streben nach absoluter Schönheit ist in Mandel'štams Poesie allgegenwärtig, häufig verkörpert durch die in ihrer Schlichtheit prächtige Gotik. Auf individuellerer Ebene thematisiert Mandel'štam das Schicksal des Menschen in einer chaotischen Zeit, in der er mehr denn je Wärme, Liebe und Leben braucht.
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