Boris Pasternak

Texte von Boris Pasternak




Boris Leonidovič Pasternak lebte von 1890 bis 1960. Er wuchs in einem Künstlermilieu auf – sein Vater war der Maler Leonid Pasternak, der zahlreiche Kontakte zu russischen und ausländischen Künstlern und Schriftstellern hatte – und studierte bei Skrjabin Komposition, ehe er sich der Dichtung zuwandte. Er erlebte Symbolismus und Futurismus, ohne sich jemals einer Richtung völlig zu verschreiben. Pasternak schrieb vor allem Lyrik, auch seine Erzählungen sind Großteils in Versform verfaßt; er schrieb aber auch sehr interessante Übersetzungen, zum Beispiel von Goethes Faust und Shakespeares Hamlet. 1958 wurde Pasternak der Literaturnobelpreis verliehen, den er jedoch ablehnen mußte, wollte er nicht aus seiner Heimat ausgewiesen werden.

Doktor Živago

Doktor Živago ist Pasternaks im Ausland bekanntestes Werk und sein einziger Roman. Er wurde 1957 in Italien, 1958 in England, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden veröffentlicht. Damit war dieser Roman das erste Werk des Tamizdat (von tam = dort und izdat' = herausgeben, im Unterschied zum Samizdat von sam = selbst), also derjenigen Werke, die im Ausland, nicht aber in Rußland veröffentlicht wurden. Wie zahlreiche andere Werke wurde auch Doktor Živago in Rußland erst 1988 gedruckt.

Ebenso wie alle Werke Pasternaks ist Doktor Živago ein sehr lebensbejahendes, optimistisches Buch. Mit dem gleichnamigen Hollywood-Film hat es nur den Titel gemeinsam – es ist ein hochphilosophischer Roman, der auf zwei Ebenen abläuft: der äußeren Biographie des Arztes Živago und der Entwicklung seiner poetischen Weltsicht. Beim Lesen dieses Romans sollte man nicht vergessen, daß es sich um einen Roman eines Lyrikers handelt. Doktor Živago ist ein in Prosa geschriebenes lyrisches Werk. Der häufige Vorwurf, es sei schlecht komponiert, stimmt also nicht; vielmehr ist es wie ein Gedicht in einzelnen, immer wieder in neuer Form aufgenommenen und in neue Zusammenhänge eingefügten Motiven konstruiert.

Die Philosophie, die der Roman vermitteln möchte, ist eine Philosophie des Hinnehmens, aber nicht im fatalistischen Sinne. Der Mensch ist Teil der Geschichte, er kann sehr wenig in seinem Leben wirklich selbst bestimmen, und das Wesentliche ist das, was über seinen Tod hinaus von ihm verbleibt: seine Kinder, denen er vielleicht seine Fähigkeiten vererbt, seine Werke, die Erinnerungen an ihn.

Das Gedicht „Nobelpreis“

Obwohl man Pasternak hierzulande eigentlich nur als Autor des Doktor Živago kennt, ist er in erster Linie ein Lyriker und dieser Roman ist sein einziges Prosawerk. Die Veröffentlichung des Romans war zwar in der Sowjetunion verboten, aber 1958 wurde er gegen Pasternaks Willen in Italien veröffentlicht. Als Pasternak dann in demselben Jahr der Nobelpreis für Literatur zuerkannt wurde, weigerte sich die sowjetische Führung, anzuerkennen, daß diese Auszeichnung Pasternaks lyrischem Lebenswerk galt, brachte sie stattdessen mit der Veröffentlichung des "staatsfeindlichen" Romans in Zusammenhang und wertete die Verleihung des Nobelpreises als antisowjetische Stellungnahme. Damit begann eine Hetzkampagne gegen Pasternak, wie es sie auch in der Sowjetunion nur selten gab, und die bis zu dessen Tod 1960 anhielt. Pasternak konnte seine Ausweisung aus der Heimat nur dadurch abwenden, daß er den Nobelpreis ablehnte. Welche Wirkung diese Vorgänge auf ihn hatten, sagt das Gedicht recht deutlich.

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