Anna Achmatova

* * *

Sind frische Worte, einfaches Gefühl
Für uns nicht das, was für den Maler – Sehen,
Dem Schauspieler – die Stimme und Bewegung,
Der schönen Frau – ihr schönes Spiegelbild?

Doch hüte dich, das in dir zu verschließen,
Was überreich der Himmel dir geschenkt:
Wir sind verurteilt – wie wir selber wissen –
nicht aufzuhäufen, sondern zu verschenken.

Geh hin, allein, und heile alle Blinden,
Damit du in der Zweifelsstunde siehst,
Wie deine Schüler schadenfroh sich winden
Und in der Menge keiner dich vermißt.

1915

Quelle: Erich Boerner, Russische Lyrik aus zwei
Jahrhunderten
(Illeguan).

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