Mein Rußland, mein Leben, was soll unser Leiden?
Der Zar, und Sibirien, Jermak, das Gefängnis!
Wird es nicht Zeit zu bereuen, zu scheiden ...
Mein freies Herz und dein dunkles Verhängnis?
Hast du je was gewußt? Oder Gott vertraut?
Und deine Lieder, was spricht aus ihnen?
Unter Tschuden verludert, von Merern bebaut
Auf moorigem Grunde, bedeckt von Faschinen ...
Hast Schiffe und Städte an Flüssen errichtet,
Doch nach Byzanz gelangtest du nie ...
Falken und Schwäne haben im Fluge die Steppe gesichtet –
Schwarz aus der Steppe kam Melancholie ...
Hinter dem Schwarzen Meer, hinter dem Weißen Meer
In schwarzen Nächten und weißen Tagen:
Ein wildes erstarrtes Gesicht mit sehr
Tatarischen Augen, die Funken schlagen ...
Ein rötlicher Schimmer liegt lange und schwer
In jeder Nacht über deiner Stätte ...
Was geisterst du, schläfriges Trugbild, umher?
Legst meinen freien Geist an die Kette?
1910
Alexander Blok. Gedichte, Poeme, Stücke, Essays,
Reden, Briefe, Tagebücher. Band 1: Gedichte, Poeme
Carl Hanser Verlag München 1978.
Übertragung: Jürgen Rennert