Aleksandr Blok

* * *

Schamlos zu sünd'gen und begierig,
Unzählig oft, nachtein, tagaus;
Mit einem Kopf, vom Rausch noch schwierig,
Zu schleichen sich ins Gotteshaus.

Dreimal sich neigen, tief, verschwiegen,
Und sieben sich bekreuz'gen gar,
Auf vollgespucktem Boden liegen,
Berührend ihn mit Stirn und Haar.

Den Kupfergroschen opfern müssen;
Dreimal und siebenmal danach
Den elenden Beschlag zu küssen
Am Heil'genbilde altersschwach.

Zu Haus dann um den gleichen Groschen
Jemand betrügen mit Genuß;
Den Köter, hungrig und verdroschen,
Fortstoßen, rülpsend, mit dem Fuß.

Beim Lämpchen der Ikone schließlich
Tee schlürfen vor dem Rechenbrett,
Kupons abschlecken fast verdrießlich
Aus dem dickbäuchigen Büfett.

Und dann auf weichem Flaumenpfühle
In Schlaf zu fallen, schwer, ein Tier ...
Allein auch so, mein Rußland, fühle,
Bist du der Länder liebstes mir.

1914

Russische Lyrik. Gedichte aus drei Jahrhunderten.
Ausgewählt und eingeleitet von Efim Etkind
. Serie Piper 1987.
Übertragung Johannes von Guenther