Heimweh, jedesmal
Entlarvte Illusion
Mir ist es ganz egal
Wo ich allein bin.
Allein auf welchem Stein
Steh mit dem Einkaufsnetz,
Ich weiß nicht, was ist mein,
Wie in Kasernen oder Krankenhaus.
Gleich, vor welchem Gesicht
Sich mir das Fell sträuben muß.
Die Menschen drängeln dicht,
Ich bin herausgedrängt, allein.
Für mich sein. Ein Kamtschatkabär
Ohne das Eis. Kann nicht dabeisein,
Kann nicht (wills auch nicht mehr).
Wo man sich beugen muß, mir gleich.
Ich werde nicht hinweggenommen
Von meiner Heimatsprache, ihrem Milchschrei –
Und wenn, die mir entgegenkommen,
Mich nicht verstehn, es ist mir gleich
(Als Schlucker von dem Zeitungsbier
Als Zentnerleser, Zeilenmelker)
Sie, 20. Jahrhundert, ist von hier.
Und mein Jahrhundert irgendeins.
Erstarrter Stamm aus dem Bereich
Einer Allee, nun hinterlassen.
Ist mir egal und ist mir gleich,
Vollkommen, ganz und gar, vielleicht.
Gewesener als alles, bin gewesen,
All meine Daten, meine Zeichen
Wie von der Hand gelöscht, nicht mehr zu lesen,
Seele, geboren, irgendwo.
Mein Land beschützt mich auch nicht mehr.
So gehn die wachsamsten Spione
Mir durch die Seele kreuz und quer
Finden den Ort nicht mehr, das Muttermal.
Das Haus ist Fremde, der Tempel Leere
Und alles ganz und alles gleich.
Vielleicht von einer Vogelbeere
Ein Ast sich unterwegs entgegenstreckt.
M. Zwetajewa, Vogelbeerbaum.
München, 1999.
Übersetzung: Christa Reinig
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