John Donne

Der Floh

Sieh an den Floh und du erfährst,
Wie wenig das ist, was du mir verwehrst.
Er saugte mich aus und nun dich,
Und unser Blut, im Floh vermischt es sich.
Dies kann man nicht als ein Vergehn
Und den Verlust der Jungfernschaft ansehn.
Der Floh genießt, bevor er freit,
Und wird von einem Blut aus zweien breit,
Und wir, herrje, sind nicht zu mehr bereit!

Halt, schone drei in einem Floh,
Vermählt beinah, ja mehr noch sind wir so.
Der Floh ist Du-und-Ich. Du siehst,
Daß Brautbett er und Traukapelle ist.
Ists dir und deinen Eltern auch ein Graus,
Uns zwei umschließt aus Jett lebendiges Haus.
Zu töten mich, das steht dir frei,
Doch füg dem nicht noch einen Selbstmord bei,
Dreifache Sünde, tötest du uns drei.

Jähzornig, grausam hast du jetzt
Mit Unschuldsblut den Nagel dir benetzt!
Was wäre in dem Floh denn Schuld
Als jener Tropfen Blut, aus dir gezullt?
Doch triumphierst du, sagst zu Recht,
Du fändest weder dich noch mich geschwächt.
So lern, ganz falsch sind Furcht und Scham;
Nur so viel Ehre stirbt, gibst du dich zahm,
Als Leben dir der Tod des Flohs wegnahm.

John Donne, Hier lieg ich von der Lieb erschlagen. Gedichte. Zweisprachige Ausgabe. dtv: Frankfurt 1994. Übertragung: Wolfgang Breitwieser

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