Des Abends Brauen sind eingesunken,
Fremde Pferde stehn unten vorm Haus.
Hab ich gestern die Jugend vertrunken?
War die Liebe zu dir gestern aus?
Knarre doch nicht, du verspäteter Wagen!
Wie unser Leben so spurlos verfliegt!
Morgen ist es vielleicht das Krankenhauslager,
Das denn vielleicht auf immer mich wiegt.
Morgen vielleicht, ein anderer wieder,
Geh ich geheilt die Straße voran,
Höre die Blätter, des Regens Lieder –
Davon erblühen die Kräfte im Mann.
Dann vergeß ich die Nacht und die Lüge,
Alles, was quälend mich fast zerbricht.
Antlitz, liebendes! Trauteste Züge!
Dich alleine vergesse ich nicht.
Mag ich mir auch eine andre erwählen,
Will ich doch ihr, zu der ich entbrannt,
Auch von dir, Geliebte, erzählen,
Die ich einstmals Liebste genannt.
Wie unser Leben, das nie verflossen,
Hinfloß, erzähl ich ihr später bei Nacht...
Du mein Kopf, voller Streiche und Possen,
Wozu hast du mich wieder gebracht?
Russische Lyrik. Gedichte aus drei Jahrhunderten.
Ausgewählt und eingeleitet von Efim Etkind.
München 1987.
Übertragung: Heinrich Stammler
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| Sergej Esenin, Gegen die Seßhaftigkeit des Herzens. |