Sergej Esenin

* * *

Die goldenen Blätter sich drehten
im rosafarbenen Teich,
als ob leichte Falter wehten
ersterbend ins Sternenreich.

Ich muß diesen Abend loben.
Das Tal voll herbstlicher Glut.
Den Kleidsaum des Birkleins gehoben
hat der Wind oft im Übermut.

Blaue Dämm'rung wie dichte Schafherden.
In der Seele, im Tal ist es kalt.
Und hinter verstummten Gärten
eine Glocke ertönt und verhallt.

Nie lauscht ich so sorgsam wie heute
dem vernünftigen Leib. O das
wäre gut, wie die Zweige der Weide
zu stürzen ins rosa Naß.

Gut wär es auch, lächelnd zu kauen
mit des Mondes Schnauze das Heu.
Stille Freude, laß mich dich schauen,
alles liebend und wunschlos dabei

1918

Quelle: Sergej Jessenin, Ein Rest von Freude. Gedichte.
Sammlung Luchterhand: München, 2001.
Übertragung: Annemarie Boestrom

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cover
Sergej Esenin, Gegen die Seßhaftigkeit des Herzens.