Evgenij Evtušenko

Stille

Wie eine sehr bestimmte Stille,
geheim, von höchstem Sinn erfüllt,
daß jedes Wort des Schweigens Fülle
ganz gleicht wie Bild und Spiegelbild.
Wie solche Ferne, klar umgeben
von allem – Glücklichsein bis Leid,
daß der Tribut an dieses Leben
ganz dieser weiten Ferne gleicht.
So bist auch du – denn Stille, Weiten
sind eins in dir wie Luft und Wind,
daß mir die lauten Eitelkeiten
von gestern dumm und billig sind.
Ganz leise werden die Gedichte,
die ich nun schreibe, nicht wie sonst.
Sie schimmern hell wie ferne Gipfel
im Zauberfenster des Waggons.
Ich baute auf die Eitelkeiten,
für Ferne blind, für Stille taub.
Es schien, als schaffte ich die Zeiten,
und kam doch später, als geglaubt.
Ich wollte schneller sein als alle.
Geschäftig war ich, tatenlos.
Erfolg? Karriere der Krawalle.
Was ist an solcher Laufbahn groß?!
Verzeiht mir, und laßt mich versprechen
der stillen Ferne und auch dir:
Die Brücken werde ich zerbrechen,
die eitel trennten euch von mir.
Mich locken keine Eitelkeiten.
Ich werde stark sein, still und groß
in heiteren und bittren Zeiten.
Das andere ist würdelos.

Mitternachtstrolleybus. Neue sowjetische Lyrik.
Berlin, 1965.
Übersetzung: Jens Gerlach

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