Afanasij Fet

Am Fenster

Gerne steh ich des Nachts
Im dunkelnden Zimmer am Fenster,
Wenn die erhabene Himmelswandlerin
Freundlich herabschaut.
Durch die Scheiben kommt sie,
Legt auf den Boden Quadrate,
Haucht in die Winkel des Raumes
Silbernen Staub.
Draußen im Garten stellt sie
Die Fliederbüsche, die Linden
Neu zueinander. Den Ästen
Bleibt eine Spur ihrer Rast.
Unter den schwingenden Zweigen
Der Bäume sind ihre Pfeile
Lautlos niederfließender goldener Regen.
Hin und wieder trifft sie
Ein vorzeitig fallendes Blatt.
Lichtüberladen schwankt es
Und taucht wieder ein in das Dunkle.
Seligkeit öffnet die Lippen:
Diana, dreimal gesegnet
Der, den du ziehst
Hinter deine unzählbaren Schleier!

Russische Lyrik 1185-1963. Ausgewählt und
übersetzt von Hans Baumann.
Darmstadt 1963.