So still ist es und hell. Zur Dämmrung ist noch lange.
Wie hinter dünnstem Blau der Himmel und das Meer –
Von satten Wolken nur die violette Schlange
Wälzt sich vom Abendgold nach Osten träg und schwer.
Ja, still ist es und hell. Doch hast du recht gedeutet
Aufruhr- und Klageschrei mit angespanntem Ohr?
Die Möwen riefen dort, wo müd das Meer sich breitet,
Und kreisend flattern sie zum Felsenschlupf empor.
Die Nacht wird furchtbar sein, der Sturm ein Tanz der Hölle,
In Finster und Getös verschlungen Luft und Land –
Und morgen wirft vielleicht grad hier die graue Welle
Zersplittertes Gebälk von einem Wrack zum Strand.
ca. 1855
Russische Lyrik. Gedichte aus
drei Jahrhunderten. Ausgewählt
und eingeleitet von Efim Etkind.
Serie Piper 1987.
Übertragung: Rolf-Dietrich Keil