Der Küchen-Mufti gibt ein Dinner,
und alle Gäste sind gekommen.
Man fühlt sich wie ein Hauptgewinner
und hat bei Tische Platz genommen.
Die Suppe läßt den Gaumen beben.
Vom Mark die Klößchen sind Gedichte.
Der Wein verrät den Rang der Regen,
es schmeckt nach jüngstem Leibgerichte.
Die Krabben-Mousse muß man goutieren,
sie nur zu schlucken, wär' vermessen.
Man führt Geschmack im Mund spazieren,
anstatt sich hirnlos satt zu essen.
Die Sauce grenzt an Offenbarung,
sie macht den Koch zum Herdpoeten.
Sie hat nichts mehr zu tun mit Nahrung,
man ist geneigt, sie anzubeten.
Hier intoniert man Schnittlauch-Soli,
das hohe C halbroher Leber.
Hier gibt es Luxus-Ravioli
und keinen Maggi-Alleskleber.
Champagner als Desser-Eskorte
gibt zu verstehen, so, das wär' es!
Man hätte gern die rechten Worte
und irgendwas ganz Ordinäres.
Miriam Frances, Was mir einfällt. Gedichte.
Franz Schneekluth Verlag, München, 1979.