War einmal ein guter Zar,
Hochgemut und geistesklar,
Liebten alle ihn als Vater,
Ehrten ihn als Freund und Rater.
Liebt' die Kinder auch der Zar,
Und ihr Glück sein Streben war;
Und er steigt herab vom Throne,
Meidet Prunkgemach und Krone.
Als ein Wandrer reist der Held
Und durcheilt die ganze Welt –
Stab und Ranzen sein Geschmeide
Und Gefahren seine Freude.
Und warum verließ er Land,
Thronesglanz und Fürstenstand?
Und was trieb ihn, sich zu plagen,
Hitz' und Kälte zu ertragen?
Daß er Gutes allerwärts
Sammeln möge, Geist und Herz
Ernst zu läutern durch das Wissen
Und die Kunst war er beflissen.
Um mit seiner Weisheit dann
Zu erleuchten jedermann,
Seiner Kinder Ruhm zu mehren,
Sie des Lebens Kunst zu lehren.
Oh, du großer Zar und Held,
Erster, erster Fürst der Welt!
Mögt die ganze Welt durchgründen,
Werdet keinen zweiten finden.
1790
Russische Lyrik. Gedichte aus drei
Jahrhunderten. Ausgewählt und eingeleitet
von Efim Etkind. Serie Piper 1987.
Übertragung: Friedrich Bodenstedt