Michail Lermontov

Russalka

1

Und Russalka schwamm durch den blauen Fluß
In des Vollmondes strahlendem Kuß;
Sie versuchte zum Monde zu spritzen den Schaum
Von der silbernen Welle Saum.

2

Und brodelnd und wirbelnd wiegte der Fluß
Im Spiegel der Wolken Gruß;
Und Russalka sang, ihrer Stimme Klang
Flog die steilen Ufer entlang.

3

Und Russalka sang: Bei mir auf dem Grund
Spielt das Flimmern des Tages so bunt;
Da tummeln die Fischlein sich überall
Und Städte gibt's aus Kristall.

4

Und auf einem Kissen aus leuchtendem Sand
An des schattenden Röhrichts Rand
Schläft ein Held, den die neidische Welle verschlang,
Schläft ein Held aus der Fremde schon lang.

5

Wir kämmen der seidenen Locken Pracht
So gerne im Dunkel der Nacht,
Und wir küssen den Schönen auf Stirn und Mund
Nicht nur einmal zur Mittagsstund.

6

Doch trotz aller Küsse – ich weiß nicht warum –
Bleibt er immer nur kalt und stumm.
Er schläft – und auf meine Brust geneigt,
Kein Flüstern, kein Atem sich zeigt.

7

Und am blauen Fluß voll Trauer erklang
Noch lang Russalkas Gesang.
Und wirbelnd und schäumend wiegte der Fluß
Im Spiegel der Wolken Gruß.

Michail Lermontow, Gedichte und Poeme.
Rütten&Loening Berlin 1987.
Übertragung: Annemarie Bostroem

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