Und Russalka schwamm durch den blauen Fluß
In des Vollmondes strahlendem Kuß;
Sie versuchte zum Monde zu spritzen den Schaum
Von der silbernen Welle Saum.
Und brodelnd und wirbelnd wiegte der Fluß
Im Spiegel der Wolken Gruß;
Und Russalka sang, ihrer Stimme Klang
Flog die steilen Ufer entlang.
Und Russalka sang: Bei mir auf dem Grund
Spielt das Flimmern des Tages so bunt;
Da tummeln die Fischlein sich überall
Und Städte gibt's aus Kristall.
Und auf einem Kissen aus leuchtendem Sand
An des schattenden Röhrichts Rand
Schläft ein Held, den die neidische Welle verschlang,
Schläft ein Held aus der Fremde schon lang.
Wir kämmen der seidenen Locken Pracht
So gerne im Dunkel der Nacht,
Und wir küssen den Schönen auf Stirn und Mund
Nicht nur einmal zur Mittagsstund.
Doch trotz aller Küsse – ich weiß nicht warum –
Bleibt er immer nur kalt und stumm.
Er schläft – und auf meine Brust geneigt,
Kein Flüstern, kein Atem sich zeigt.
Und am blauen Fluß voll Trauer erklang
Noch lang Russalkas Gesang.
Und wirbelnd und schäumend wiegte der Fluß
Im Spiegel der Wolken Gruß.
Michail Lermontow, Gedichte und Poeme.
Rütten&Loening Berlin 1987.
Übertragung: Annemarie Bostroem
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