Ich liebe dieses Land, doch mit besondrer Liebe!
Vergebens nur erforscht sie mein Verstand.
Nicht Ruhm, vom Rauch der Opfer trübe,
Noch satter Hochmut, nur, weil es mein Vaterland,
Noch leerer Götzendienst um Überlieferungen –
Davon hat nie mein Herz in Schwärmerei gesungen.
Doch lieb ich es – warum? Ich weiüß es nicht! –
Ich liebe seiner Steppen kaltes Schweigen,
Der endlos weiten Wälder Wipfelneigen,
Den Fluß, der frühlingswild aus seinen Ufern bricht ...
Auf einem Bauernkarrn zu poltern durch die Weiten,
Tief in die Nacht zu senken mein Gesicht,
Wo mir herüberblinkt aus ruhnden Dunkelheiten
Mit trübem Blick der Dörfer stilles Licht.
Ich lieb den Rauch der Stoppelbrände,
Die dunkle Föhre nachts am Wald,
Im golden wogenden Gelände
Der Birken schimmernde Gestalt.
Mit Wonne, die nur wenige kennen,
Seh ich die Bauernhütten klein,
Mit Stroh gedeckt, die vollen Tennen,
Der Fensterläden Schnitzerein;
In Lieb, in Feierabendkühle
Zu sitzen, wo die Jugend schwärmt
Und stampft und pfeift im Tanzgewühle,
Und wo man singt und trinkt und lärmt.
Michail Lermontow, Gedichte und Poeme.
Rütten & Loening Berlin 1987.
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