August von Platen

* * *

Glaub mir, noch denk ich jener Stunden stündlich,
Wo ich zum erstenmale dir das zarte
Geheimnis deines Sieges offenbarte,
Im Liede kühn, allein verlegen mündlich.

Dein jetz'ger Wille scheint mir unergründlich:
Weil jene Schüchternheit sie nicht bewahrte,
Hör ich dich klagen, unsre Lieb' entarte,
Und ihr Verlangen nennst du keck und sündlich.

O, daß die Blume nicht umsonst verdüfte,
Laß Wang' an Wange hier uns ruhn im Düstern,
Und Brust an Brust gedrängt, und Hüft' an Hüfte.

Horch! wie es säuselt in den alten Rüstern:
Durchschwärmt vielleicht ein Elfenchor die Lüfte,
Wollüstig weichen Brautgesang zu flüstern?

Gesammelte Werke des Grafen August von Platen. In fünf Bänden. Zweiter Band: Stuttgart und Tübingen. Cotta'scher Verlag, 1853.

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August von Platen, 'Wer die Schönheit angeschaut mit Augen...' Ein Lesebuch. Hartmut Bobzin, Gunnar Och, August Graf von Platen. Leben – Werk – Wirkung.