August von Platen

* * *

Wenn tiefe Schwermut meine Seele wieget,
Mag's um die Buden am Rialto flittern:
Um nicht den Geist im Tande zu zersplittern,
Such ich die Stille, die den Tag besieget.

Dann blick ich oft, an Brücken angeschmieget,
In öde Wellen, die nur leise zittern,
Wo über Mauern, welche halb verwittern,
Ein wilder Lorbeerbusch die Zweige bieget.

Und wann ich, stehend auf versteinten Pfählen,
Den Blick hinaus in's dunkle Meer verliere,
Dem fürder keine Dogen sich vermählen:

Dann stört mich kaum im schweigenden Reviere,
Herschallend aus entlegenen Kanälen,
Von Zeit zu Zeit ein Ruf der Gondoliere.

Gesammelte Werke des Grafen August von Platen. In fünf Bänden. Zweiter Band: Stuttgart und Tübingen. Cotta'scher Verlag, 1853.

Wer mehr lesen möchte, findet bei amazon zum Beispiel:

cover cover
August von Platen, 'Wer die Schönheit angeschaut mit Augen...' Ein Lesebuch. Hartmut Bobzin, Gunnar Och, August Graf von Platen. Leben – Werk – Wirkung.