August von Platen

* * *

Wenn ich so viele Kälte dir verzeihe,
Geschieht's, indem ich bei mir selber sage:
Er weiß ja nicht, wie sehr ich meiner Tage
Zufriedenheit an seinen Namen reihe!

Er weiß ja nicht, wie sehr ich ihm verleihe,
Was Liebevolles ich im Herzen trage,
Was gerne theilt des Lebens Lust und Plage,
Ja, was dem Leben giebt die höchste Weihe!

Du weißt es nicht, und soll ich dir's beschwören?
O nein! Ich wage kaum mit dir zu sprechen,
Um nicht den Traum, der mich beglückt, zu stören.

Wie sehr mich Schönheit auch und Reiz bestechen,
So fürcht' ich doch, sie könnten mich bethören,
Es könnte doch an Liebe dir gebrechen!

Gesammelte Werke des Grafen August von Platen. In fünf Bänden. Zweiter Band: Stuttgart und Tübingen. Cotta'scher Verlag, 1853.

Wer mehr lesen möchte, findet bei amazon zum Beispiel:

cover cover
August von Platen, 'Wer die Schönheit angeschaut mit Augen...' Ein Lesebuch. Hartmut Bobzin, Gunnar Och, August Graf von Platen. Leben – Werk – Wirkung.