August von Platen

* * *

Wer wußte je das Leben recht zu fassen,
Wer hat die Hälfte nicht davon verloren
Im Traum, im Fieber, im Gespräch mit Thoren,
In Liebesqual, im leeren Zeitverprassen?

Ja, der sogar, der ruhig und gelassen,
Mit dem Bewußtsein, was er soll, geboren,
Frühzeitig einen Lebensgang erkoren,
Muß vor des Lebens Widerspruch erblassen.

Denn Jeder hofft doch, daß das Glück ihm lache,
Allein das Glück, wenn's wirklich kommt, ertragen,
Ist keines Menschen, wäre Gottes Sache.

Auch kommt es nie, wir wünschen blos und wagen:
Dem Schläfer fällt es nimmermehr vom Dache,
Und auch der Läufer wird es nicht erjagen.

Gesammelte Werke des Grafen August von Platen. In fünf Bänden. Zweiter Band: Stuttgart und Tübingen. Cotta'scher Verlag, 1853.

Wer mehr lesen möchte, findet bei amazon zum Beispiel:

cover cover
August von Platen, 'Wer die Schönheit angeschaut mit Augen...' Ein Lesebuch. Hartmut Bobzin, Gunnar Och, August Graf von Platen. Leben – Werk – Wirkung.