Aleksandr Puškin

Einem Dichter

O Dichter, geize nicht nach deines Volkes Liebe!
Der Lober Beifallssturm wird wie ein Hauch verwehn,
Der Tor wird richten dich, die Menge wird dich schmähn –
Doch strebe kalten Muts, wenn auch kein Trost dir bliebe!
Ein König bist du, flieh das wüste Weltgetriebe!
Geh frei den Weg, den frei dein Geist sich ausersehn,
Im Herzen pflege treu, was groß und wahr und schön,
Und fordre keinen Lohn, der dein Verdienst erhübe:

Er liegt in dir! Du bist dein oberstes Gericht.
Wenn deinem Werk dein Mund das strengste Urteil spricht
Und dein gerechter Spruch dich selig macht erzittern –
So laß das blöde Volk, dein Werk verlästernd, schrein
Und den Altar, darauf dein Feuer loht, bespein
Und kindischen Übermuts den Dreifuß dir erschüttern!

Alexander Sergejewitsch Puschkin, Gedichte, Poeme,
Eugen Onegin.
SWA Verlag, Berlin 1947.
Übertragung: Friedrich Fiedler

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