Aleksandr Puškin

Der Kaukasus

Der Kaukasus liegt mir zu Füßen. Ich steh'
In Gletschern am Absturz auf felsichter Rippe;
Ein Aar, der sich aufschwang vom fernen Geklippe,
Schwebt reglos, gleich mir, in der funkelnden Höh'.
Hier schau' ich die Ströme in ihrem Entquellen,
Der grausen Lawinen Entrollen und Schwellen.

Tief unten, da dehnt sich der Wolken Gegleit,
Zerfetzt von der stürzenden Wasser Gedränge;
Darunter des nackten Gefelses Gehänge,
Noch tiefer – Gestrüpp, und verdorrtes Gekräut;
Und dort schon die Haine, wo Vögelein singen,
Wo Hirsche auf blumigem Wiesengrund springen.

Dort hausen schon Menschen in Nestern am Fels,
Da weiden die Lämmer auf blumigen Matten
Und lagern die Hirten im kühlenden Schatten;
Dort tost die Aragwa tiefdunklen Gewells
Und lauert der Räuber, versteckt im Geklüfte;
Dort schüttert der Terek, wild spielend, die Lüfte.

Er springt und er heult wie ein reißendes Tier
Beim Anblick der Atzung durchs eiserne Gitter,
Er tobt an das Ufer mit grimmem Geschütter
Und leckt am Gestein mit gefräßiger Gier.
Vergeblich! Denn Nahrung und Lust wird ihm keine:
Es zwingen ihn schweigende Riesengesteine.

Alexander Sergejewitsch Puschkin, Gedichte,
Poeme, Eugen Onegin
. Berlin 1947.
Übertragung: Friedrich Fiedler

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