Übersetzung, mit freundlicher Genehmigung der Autorin: Gabi Zöttl
Man sagt: „Sie schenkte ihm ihr Herz.“ Ich schenkte dir nichts.
Es war alles ganz anders. Du bist in meiner Seele. Ich holte dich bei dir ab und brachte dich fast mit Gewalt, wie ein wildes Tier in Ketten, dorthin.
Dir ist es zu eng in meiner kleinen, behaglichen Seele, zwischen Toilettentisch, Lampe und Bett. Du wirfst dich gegen die Wände, möchtest entkommen, hungerst nach Freiheit. Du fügst dir und mir Schmerz zu.
Ich öffne ein Fenster und sage zu dir: „Flieg fort, ich lasse dich frei.“ Du blickst aus dem Fenster in die Tiefe und siehst, daß du dich im vierundzwanzigsten Stock eines Wolkenkratzers befindest. Deine Flügel sind gebrochen, du kannst diese kompakte, mit allem Komfort ausgestattete Hölle nicht verlassen. Du bleibst. Und ich lächle befriedigt und verriegle die Tür. Und das nennt sich nun also Liebe?
Ich wünsche mir, daß du glüklich bist. Ich wünsche mir, daß du so bist, wie du selbst es
willst. Haben wir nicht
dieselben Wünsche? Ich wünsche mir Wärme und Frieden.
Du wünschst dir ... ja, was wünschst du dir?
Oh, oh!! Wo bist du?? Bist also doch weggeflogen. Ach, die Männer, die Männer ...
Ich gehe in die Küche, um nachzusehen, ob das Teewasser kocht. Das Fenster steht offen. In der Ferne,
verschmolzen mit der Linie des Horizonts, winkst du mir zum Abschied zu, um dich dann für immer in der
warmen Abendluft aufzulösen. Leb wohl.
Alles Gute.
Ich schließe das Fenster und setze mich, um in der Einsamkeit Tee einzugießen.