Düsseldorf 2000.
Übersetzung: Grete und Josef Leitgeb
So hatte der kleine Prinz trotz seiner aufrichtigen Liebe rasch an ihr zu zweifeln begonnen, ihre belanglosen Worte bitter ernst genommen und war sehr unglücklich geworden.
#8222;Ich hätte nicht auf sie hören sollen“, gestand er mir eines Tages. „Man darf den Blumen nicht zuhören, man muß sie anschauen und einatmen. Die meine erfüllte den Planeten mit Duft, aber ich konnte seiner nicht froh werden. Diese Geschichte mit den Krallen, die mich so gereizt hat, hätte mich besser rühren sollen.“ Er vertraute mir noch an: „Ich habe das damals nicht verstehen können! Ich hätte sie nach ihrem Tun und nicht nach ihren Worten beurteilen sollen. Sie duftete und glühte für mich.
Ich hätte niemals fliehen sollen! Ich hätte hinter all den armseligen Schlichen ihre Zärtlichkeit erraten sollen. Die Blumen sind so widerspruchsvoll! Aber ich war zu jung, um sie lieben zu können!
„Nein,“ sagte der kleine Prinz, „ich suche Freunde. Was heißt 'zähmen'?“
„Zähmen, das ist eine in Vergessenheit geratene Sache,“ sagte der Fuchs. „Es bedeutet, sich 'vertraut machen'.“
„Vertraut machen?“
„Gewiß,“ sagte der Fuchs. „Noch bist du für mich nichts als ein kleiner Junge, der hunderttausend
kleinen Jungen völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebensowenig. Ich bin für
dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Füchsen gleicht. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander
brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt ...“
„Ich beginne zu verstehen,“ sagte der kleine Prinz. „Es gibt eine Blume ... ich glaube, sie hat mich gezähmt ...“
„Das ist möglich,“ sagte der Fuchs. „Man trifft auf der Erde alle möglichen Dinge...“
„Oh, das ist nicht auf der Erde,“ sagte der kleine Prinz.
Der Fuchs schien sehr aufgeregt: „Auf einem anderen Planeten?“
„Ja.“
„Gibt es Jäger auf diesem Planeten?“
„Nein.“
„Das ist interessant! Und Hühner?“
„Nein.“
„Nichts ist vollkommen!“ seufzte der Fuchs.
Aber der Fuchs kam auf seinen Gedanken zurück: „Mein Leben ist eintönig. Ich jage die Hühner,
die Menschen jagen mich. Alle Hühner gleichen einander, und alle Menschen gleichen einander. Ich
langweile mich also ein wenig. Aber wenn du mich zähmst, wird mein Leben voller Sonne sein. Ich werde
den Klang deines Schrittes kennen, der sich von allen anderen unterscheidet. Die anderen Schritte jagen
mich unter die Erde. Der deine wird mich wie Musik aus dem Bau locken. Und dann schau! Du siehst da
drüben die Weizenfelder?
Ich esse kein Brot. Für mich ist der Weizen zwecklos. Die Weizenfelder erinnern mich an nichts. Und
das ist traurig. Aber du hast weizenblondes Haar. Oh, es wird wunderbar sein, wenn du mich einmal
gezähmt hast! Das Gold der Weizenfelder wird mich an dich erinnern. Und ich werde das Rauschen des
Windes im Getreide liebgewinnen.“
Der Fuchs verstummte und schaute den kleinen Prinzen lange an.
„Bitte ... zähme mich!“ sagte er.
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