Novye empiriko-statističeskie medotiki datirovanija drevnich sobytij i priloženija k global'noj chronologii drevnego i srednevekovogo mira. Lib.ru
Übersetzung: Gabi Zöttl
In der Scaliger-Chronologie wird der „Renaissance-Effekt" als angebliche „Wiederholung der Antike" scharf hervorgehoben.
Der antike Platon war der Begründer des „Platonismus“. Seine Lehre geriet in Vergessenheit, um einige Jahrhunderte später wieder zum Leben erweckt zu werden, und zwar von dem ebenfalls bekannten „Neuplatoniker“ Plotin (205-270 n. Chr.), dessen Name zufällig praktisch identisch ist mit dem seines geistigen Vaters Platon. Dann starb auch der Neuplatonismus aus, um nach einigen Jahrhunderten, diesmal im 15. Jahrhundert n. Chr., mit alter Kraft in einem weiteren bekannten „Platoniker“ wiederzuerstehen – Pleton, dessen Name wieder rein zufällig praktisch identisch ist mit dem Namen des antiken Lehrers Platon. Allgemein wird angenommen, Pleton habe den antiken Platonismus „wiederbelebt“. Eben im 15. Jahrhundert n. Chr. taucht auch aus dem Nichts die erste Handschrift des antiken Platon auf.
Pleton gründete in Florenz die „Pletonische Akademie“, die genaue Entsprechung der antiken Akademie Platons. Er war der Autor der bekannten Utopie (sowohl Platon als auch Pleton schreiben „Utopien“) „Traktat von den Gesetzen“, die leider nicht vollständig erhalten ist. Dafür ist uns der vollständige Text des Traktats von den „Gesetzen“ des antiken Platon erhalten geblieben. Ebenso wie der antike Platon erarbeitet auch der Pleton des 15. Jahrhunderts ein Konzept eines idealen Staates, wobei sein Programm dem des antiken Platon außerordentlich gleicht. Plotin (205-270) „ahmt beide nach“ und hofft ebenfalls, der Kaiser werde ihn dabei unterstützen, in der Campagna (und erneut in Italien) die Stadt Platonopol zur gründen, in der er die aristokratisch-gemeinschaftliche Ordnung „nach Platon“ einführt. Es gibt zahllose derartige „Duplikate“.
Einer der wesentlichen Faktoren, die dazu führen, daß es für ein Dokument mindestens zwei Datierungen gibt (eine „antike“ und eine mittelalterliche), ist die Existenz der Renaissance, der Epoche, in der angeblich alle antiken (heute dem Altertum zugerechneten) Strömungen in Wissenschaft, Philosophie, Kultur, Malerei usw. „wiederbelebt“ wurden. Allgemein wird angenommen, „das glänzende Latein des Altertums“ sei zu Beginn des Mittelalters zu einer derben und grobschlächtigen Sprache verkommen, die erst in der Renaissance ihren früheren Glanz zurückgewann. Diese „Auferstehung“ der lateinischen Sprache (wie übrigens auch des Altgriechischen) beginnt erst im 8.-9. Jahrhundert n. Chr.
Die berühmten Trouvères des Mittelalters entwickelten seit dem 10.-11. Jahrhundert Stoffe, die die Historiker heute als „Maskenball klassischer Erinnerungen“ bezeichnen. Im 11. Jahrhundert tauchte die „Geschichte des Odysseus“ (Odyssee) auf, in der der bekannte (angeblich) Homersche Stoff in „mittelalterlichem Gewand“ (Helden, Damen, Duelle usw.) verarbeitet wird, andererseits jedoch alle diejenigen Elemente vorhanden sind, die später als Kern des antiken Stoffes erachtet werden sollten.
„Seit dem ausgehenden 12., beginnenden 13. Jahrhundert sagten die Trouvères mit einigem Stolz: Diese Geschichte (nämlich die vom Trojanischen Krieg) ist nicht abgedroschen; niemand hat sie bislang zusammengefaßt und aufgeschrieben... Für sie war dies beinahe ein nationaler Stoff“. Die Franken betrachteten sich als Zuwanderer aus Troja (!), und der im 7. Jahrhundert n. Chr. lebende Autor Fredegar spricht von König Priamus wie von einem Angehörigen der vorausgehenden Generation.
„Der Trojanische Krieg ist untrennbar verbunden mit der Wanderung der Argonauten ... als die Kreuzfahrer-Eroberer (offenbar das mittelalterliche Vorbild für die ‚antiken‘ Argonauten) in die abgelegenen Länder Asiens strebten. Alexander von Mazedonien „spricht den Franken sein Lob aus“.
Einige Texte des Mittelalters, die den Trojanischen Krieg behandeln, nennen den Paris einen Pariser. Unter dem Druck der Tradition und all dieser Eigentümlichkeiten mußten die Historiker annehmen, daß im Mittelalter „die (angebliche) Vorstellung von einer chronologischen Folge fast vollständig verlorenging: An der Beisetzung Alexanders des Großen nahmen Mönche mit Kreuzen und Weihrauch teil; Catilina hört eine Morgenmesse... Orpheus ist ein Zeitgenosse des Äneas, Sardanapal ein griechischer König, Julian der Abtrünnige ein päpstlicher Kappelan. Alles in dieser Welt, – wundern sich heutige Historiker, – mutet phantastisch an. Die gröbsten Anachronismen und die seltsamsten Phantastereien existieren friedlich nebeneinander“. Alle diese und tausende weitere Fakten werden heute als „Unsinn“ verworfen.
Lange bevor angeblich „antike“ Handschriften der Geschichte vom Goldenen Kalb bekannt waren, wurde das „Thema Kalb“ im Werk der mittelalterlichen Trouvères sehr detailliert ausgearbeitet, und die „antike Geschichte vom Kalb“ (die erst in der Renaissance plötzlich auftauchte) ist die natürliche Vollendung dieses mittelalterlichen Zyklus. Allgemein gilt: Alle angeblich „antiken Stoffe“ enstanden und entwickelten sich im Mittelalter, lange ehe „Originale aus Alterum, Antike“ auftauchten. Dabei folgen die später in der Renaissance auftauchenden angeblichen „antiken Originale“ chronologisch und evolutionär auf ihre mittelalterlichen Vorläufer.
Wichtig ist hierbei, daß die Menschen der Antike keine Namen (im heutigen Sinne) hatten, sondern Beinamen mit einer vernünftigen Übersetzung in diejenige Sprache, in der sie zuerst eingeführt wurden. Diese Beinamen charakterisierten die Eigenschaften eines Menschen; je mehr auffällige Eigenschaften er hatte, desto mehr Beinamen hatte er auch. Verschiedene Chronisten gaben einem Herrscher diejenigen Beinamen, unter denen er in einer bestimmten Gegend bekannt war.
Pharaonen hatten vor und nach der Krönung unterschiedliche Namen. Da sie mehrmals gekrönt wurden (mit den Kronen mehrerer Regionen), stieg auch die Zahl ihrer „Namen“ rapide an. Solche Namen oder Beinamen sind etwa „der Starke“, „der Strahlende“ usw.
„Zar Ivan III. hieß Timofej; Zar Vasilij III. war Gavriil ... Zarewič Dmitrij war nicht Dmitrij, sondern Uar; ein Herrschername und ein Taufname“.
Heute gilt allgemein die Auffassung, im Mittelalter seien andere Namen üblich gewesen als im Altertum. Eine Textanalyse zeigt jedoch, daß im Mittelalter antike Namen recht gebräuchlich waren. Nil Sinajskij (angeblich 450 n. Chr. gestorben) schreibt Briefe an seine Zeitgenossen, mittelalterliche Mönche mit offenkundig antiken Namen: Apollodorus, Amfiktion, Atticus, Anaksogur, Demophenos, Asklepiod, Aristokles, Aristarch, Alkiviad, Apollon usw. Sehr viele Namen, die heute als „ausschließlich antik“ erachtet werden, waren im Byzanz des 12. bis 14. Jahrhunderts n. Chr. verbreitet.
Wer mehr lesen möchte, findet bei amazon zum Beispiel: