Čečnja – Tschetschenien

Tschetschenien – vor einigen Jahren sprach jeder davon, jetzt findet es seinen Weg nur noch in die Schlagzeilen, wenn amnesty international seine Bilanzen zu Menschenrechtsverletzungen veröffentlicht oder es sich als pro- oder antirussisches „Argument“ ausschlachten läßt. Dann brodeln die Emotionen. Aber was wissen diejenigen, die Tschetschenien gerne als Rundumargument benutzen, tatsächlich über dieses Land? Gerade daß das Thema so emotionalisiert wird, zeigt doch, daß hier nicht mit Tatsachen, sondern mit Weltbildern argumentiert wird. Entweder sind die Russen böse Aggressoren und die Tschetschenen heldenhafte Freiheitskämpfer, oder die Tschetschenen sind böse Terroristen und die Russen heldenhafte Verteidiger von Recht und Ordnung. Die Medien helfen hier nicht weiter, da sie über den Tschetschenien-Konflikt wie über jeden, in den Rußland verwickelt ist, von Anfang an höchst einseitig berichtet haben. Dieselben Journalisten, die für entschlossene Völkermörder wie etwa die Türkei oder Israel seit Jahrzehnten immer wieder Entschuldigungen an den recht dünn gewordenen Haaren herbeiziehen, haben Rußland von Anfang an in Bausch und Bogen verurteilt. Das dürfte wohl daran liegen, daß sie sich von der Wirtschafts- und Machtpolitik bereitwillig instrumentalisieren lassen, was wiederum nur dadurch möglich ist, daß sie urteilen, ohne sich zuvor zu informieren – echte, also auf Wahrheit und Wirklichkeit beruhende, Informationen erhält man nun einmal nicht bei rein am persönlichen Gewinn orientierten Wirtschafts- und Machtpolitikern, sondern nur bei Fachleuten. Diese Journalisten scheinen zudem der Illusion erlegen zu sein, der sogenannte Tschetschenien-Konflikt habe gerade in dem Moment begonnen, als sie zum erstenmal davon hörten. Aber ebensowenig wie auf dem Balkan darf man im Kaukasus bei der Betrachtung der Konflikte und Kriege den Blick auf die Gegenwart beschränken.

Ich möchte hier keineswegs ein Urteil dazu abgeben, wer „schuld“ ist. Beide Seiten haben ihre Argumente. Aber keines dieser Argumente rechtfertigt den Tod auch nur eines einzigen Menschen. Diese Frage nach der Schuld finde ich ohnehin reichlich kindisch (auch wenn es die Frage ist, die die Russen bei jedem Problem immer als allererstes stellen). Wichtig ist nicht, wer schuld ist, sondern wie alle wieder aus der Patsche herauskommen, und zwar möglichst schnell. Aber natürlich möchte ich auch da keine Antwort anbieten. Vernünftige und gerechte Lösungsvorschläge gibt es schließlich genug, doch solange die schon hie und da erwähnten Wirtschafts- und Machtpolitiker nicht an die Leine gelegt werden, haben Vernunft und Gerechtigkeit – von Menschlichkeit ganz zu schweigen – ohnehin keine Chance. Nein, diese Seiten über Tschetschenien haben einen viel einfacheren Grund: Mich regt die einseitige Berichterstattung fürchterlich auf! Wenn ich Ihnen zu sagen versuchte, wie sehr sie mich aufregt, säßen wir in drei Wochen noch hier ... also weiter:

Tschetschenien – was ist das wirklich?

Es gibt eine tschetschenische Sage, die ungefähr so lautet: Als Gott die Erde zwischen den Völkern aufteilte, richteten die Bergbewohner ein Fest zu seinen Ehren aus und kamen daher zu spät zur Verteilung. Deshalb gab ihnen Gott das Land, das er eigentlich für sich selbst zurückbehalten hatte: den Kaukasus. Seit jener Zeit lebt in den Bergen des Kaukasus, wo laut Überlieferung einst Prometheus an den Felsen geschmiedet war, das Volk der Nochtschen (Nochči), besser bekannt als Tschetschenen (Čečency).

Tschetschenien liegt also im Kaukasus. Um zu verstehen, was das bedeutet, sollte man sich die Gegend etwas genauer ansehen. Wichtig sind dabei sowohl die geographischen als auch die ethnischen als auch die strategischen als auch die geologischen Gegebenheiten (schließlich hat die Wall Street nicht aus lauterer Menschenfreundlichkeit Truppen in die Gegend geschickt).



Tschetschenien

Tschetschenien

Tschetschenien

Tschetschenien

Tschetschenien

(nur die Ölvorkommen rund um Groznyj)



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