Kazan' ist die Hauptstadt der zur russischen Föderation gehörigen autonomen Republik Tatarstan. Tatarstan ist ca. 68.000 km² groß und liegt im Zentrum Rußlands, in der osteuropäischen
Tiefebene zwischen Wolga und Ural, rund um den Zusammenfluß von Wolga und Kama.
Es ist ein ebenes Land im Wald- und Waldsteppengebiet mit einigen nicht sonderlich hohen Bergen im Südosten und am rechten Volgaufer. 90 % des Gebietes erreichen weniger als 200 Meter über dem Meeresspiegel. Etwa 16 % Tatarstans sind mit Wald bedeckt und gut 6 % mit Wasser.
Zu diesen Wasserflächen gehören nicht nur zahlreiche große und kleine Flüsse und Seen, sondern vor allem auch das Kujbyšev-Wasserreservoir: In den 50er Jahren wurde die Wolga bei Kujbyšev (heute wieder Samara) aufgestaut und eingedämmt, wodurch der größte europäische Stausee entstand – mit einer Fläche von 5900 km², einer Länge von 510 km und einer Breite von bis zu 27 km reicht er an der Wolga bis Volžsk an der tatarischen-russischen Grenze und an der Kama bis oberhalb von Čistopol'.
Von den rund 3,8 Millionen Einwohnern Tatarstans sind ungefähr die Hälfte Tataren, etwa 40 % Russen und etwa 10 % Čuvašen, Baškiren, Mari, Udmurten, Mordvinier und Ukrainer. Dreiviertel der Bevölkerung leben in den Städten.
Der Zerfall der Sowjetunion hat vor allem auch eine ideologische Lücke hinterlassen, die viele Menschen durch Religion zu füllen versuchten. So sind heute die meisten Tataren und Baškiren sunnitische Moslems, die Mehrheit der anderen Volksangehörigen russisch-orthodox. Typisch für Rußland ist, daß zwar jeder weiß, daß die drittgrößte und keineswegs unerhebliche Religionsgruppe die Juden sind, diese aber kaum einmal in einem offiziellen Bericht auftauchen.
Es gibt zwei offizielle Landessprachen, Tatarisch und Russisch. Seit 1994 müssen alle Kinder in der Schule Tatarisch lernen, aber alle Versuche, Russisch als Hauptverkehrssprache durch Tatarisch zu ersetzen, sind an den offensichtlichen kulturellen und wirtschaftlichen Gründen gescheitert. Oder die Vernunft hat sich durchgesetzt. Während also zum Beispiel in Kazachstan Anfang der 90er Jahre beschlossen wurde, daß alle Veranstaltungen an den Hochschulen in kazachischer Sprache abzuhalten waren, wodurch zahlreiche nichtkazachische Studenten und Dozenten gezwungen waren, die Hochschulen zu verlassen, blieben den Einwohnern Tatarstans derartige nationalistische Gesetze erspart. Allerdings hat die Regierung Tatarstans 2002 beschlossen, daß Tatarisch künftig nicht mehr mit kyrillischen, sondern mit lateinischen Zeichen geschrieben werden soll, was vor allem den Schulen Probleme bereitet.
Benannt ist Tatarstan natürlich nach den Tataren. Allerdings gibt es wenige Völker, deren Namen mit mehr Mißverständnissen verbunden sind als dieser, und viele Kazaner Tataren nennen sich selbst auch nicht Tataren, sondern Bolgaren. Genausowenig wie alle germanischen oder alle romanischen Völker kann man alle Tataren in einen Topf werfen. Zwar haben sie teilweise gemeinsame Ursprünge und viele von ihnen leben heute in der Republik Tatarstan, dennoch gehören sie verschiedenen eigenständigen Völkern mit einer jeweils eigenen geschichtlichen Entwicklung an.
Mit dem Ethnonym „Tataren“ wird historisch die turksprachige Bevölkerung des Ural-Wolgagebietes, der Krim, Westsibiriens und Litauens bezeichnet, wobei die litauischen Tataren ihre ursprüngliche Sprache verloren haben. Die Ural-Wolga-Tataren setzen sich aus zwei Hauptgruppen zusammen, den Kazan'-Tataren und den Mišaren, wobei die Kasimov-Tataren als eine Art Bindeglied zwischen diesen beiden Subethnien stehen. Auch diese Subethnien zerfallen natürlich wieder in kleinere Gruppen, die sich vor allem durch geographische und administrative Gegebenheiten gebildet haben. Einen Sonderfall stellt die ethnokulturell eigenständige Gruppe die Krjašeny-Tataren dar, die im 17. und 18. Jahrhundert zum russischen-orthodoxen Glauben übertraten und russische Namen tragen.
Erst als in der Neuzeit, also ab dem späten 18. Jahrhundert, der Gedanke des Nationalstaates aufkam, gewann die gemeinsame Bezeichnung „Tataren“ gegenüber den Namen der ethnischen Gruppen an Bedeutung – ebenso wie zum Beispiel Bayern oder Hannoveraner sich erst in dieser Zeit selbst Deutsche statt eben Bayern oder Hannoveraner zu nennen begannen. Dabei waren die Kazaner Tataren der Kernpunkt der nationalen Konsolidierung, da sie nicht nur die größte Subethnie waren, sondern in sozioökonomischer und kultureller Hinsicht auch die größte Geschlossenheit und höchste Entwicklungsstufe aufwiesen.
Diejenigen Kazaner Tataren, die heute gerne betonen, sie seien eigentlich Bolgaren, wollen damit belegen, daß ihre Familie von jeher in diesem Gebiet ansässig ist und nicht etwa von zugewanderten Krym- oder Sibir'-Tataren abstammt (derartige Jahrhunderte zurückreichende Familiengeschichten scheinen mir indes doch schwer zu beweisen).
Die ethnischen Ursprünge der Ural-Wolga-Tataren sind noch nicht vollständig geklärt, werden aber immer mit den Wolgabulgaren in Zusammenhang gebracht.
Schon 550 v.Chr. lebten nördlich des Schwarzen Meeres turkstämmige Bolgaren, die zwar die Kriege mit Byzanz überstanden, aber im Kampf gegen die Chazaren unterlagen, abwanderten und sich vom 5. bis zum 7. Jahrhundert zu getrennten Völkern entwickelten: den Balkanbulgaren, den Wolgabulgaren und den kaukasischen Balkaren und Kumyken.
Schon diese frühen Bolgaren waren kein einheitliches Volk, sondern umfaßten zum Beispiel auch von den Hunnen (altturkisches Volk Zentralasiens) abstammende Stämme. Die Bolgaren, die an die Wolga wanderten, unterwarfen und assimilierten die einheimischen finno-ugrischen und turkstämmigen Völker und gründeten Wolgabolgarien. Innerhalb dieses Staates konsolidierten sich die verschiedenen turkstämmigen und finno-ugrischen Völker dann zum Volk der Wolgabulgaren. Wolgabolgarien war der erste frühfeudale Staat in Nordosteuropa, und erstreckte sich über ein großes Gebiet am Mittellauf der Wolga bis zur Kama.
Vom 9. bis zum 12. Jahrhundert war dies ein blühender Staat, der in seiner wirtschaftlichen, kulturellen und auch städtebaulichen Entwicklung so manchem europäischen Land seiner Zeit um einiges voraus war. Im 10. Jahrhundert gab es zum Beispiel nicht nur in den Städten, sondern selbst in den Dörfern bereits öffentliche Schulen. Dies hing wesentlich mit der Hinwendung zum sunnitischen Islam (seit 922 Staatsreligion) zusammen, durch die die Wolgabolgaren an der hochentwickelten türkisch-arabischen Kultur teilhaben konnten.
Ebenso wie das alte Rußland (die Kiever Rus') wurde auch Wolgabolgarien im 13. Jahrhundert von den Mongolen unter Batu-Khan erobert. (Westeurpa hatte damals ja bekanntlich das Glück, daß ein großer Teil des Mongolenheeres im westrussischen Schlamm steckenblieb.) 1236 überfielen die Mongolen das Land und zerstörten besonders in seinem Zentrum einen Großteil der Städte und Dörfer. Ein Teil der Wolgabolgaren ließ sich daraufhin weiter im Norden nieder und dehnte das Siedlungsgebiet der Bolgaren bis an den Fluß Ašit aus. Die eroberten Gebiete wurden der Goldenen Horde einverleibt, dem größten mittelalterlichen Staat Nordosteuropas. Die offizielle Eigenbezeichnung der Eroberer – Tatar – galt nun auch für die Bewohner aller eroberten Gebiete. Der gesamte von den Mongolen beherrschte osteuropäische Raum wurde damals vom Westen als „Tatarien“ bezeichnet.
Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und besonders nach der erneuten Zerschlagung Wolgabolgariens durch Timur 1361 wanderten die Bolgaren massenhaft in das Gebiet des heutigen Kazan' zwischen Wolga und Kama ab. Bei den an der Sura lebenden Bolgaren hatte hingegen eine wesentlich stärkere Vermischung der turkischen mit der turksprachigen finno-ugrischen Bevölkerung stattgefunden. Sie blieben in diesem Siedlungsgebiet und gerieten bald in die Einflußsphäre des Moskauer Staates. Damit war der Grundstein für die Aufgliederung der Ural-Wolga-Tataren in die beiden Ethnien der Kazan'-Tataren und der Mišaren gelegt.
Als die Goldene Horde im 15. Jahrhundert auseinanderzufallen begann, wurden auf ihrem Gebiet eine Art Teilstaaten gegründet, die tatarischen Khanate. Die größten waren das den nördlichen Teil des alten Wolgabolgarien umfassende Khanat Kazan' und die Khanate Krym, Kasimov, Sibir' und Astrachan. Im fruchtbaren, wasser- und waldreichen Kazaner Gebiet hatten sich die ersten Menschen schon in der Steinzeit niedergelassen.
Im neunten Jahrhundert hatten die Wolgabolgaren hier einen Vorposten ihres Reiches errichtet, der nach der Zerstörung ihrer Hauptstadt zunehmend an Bevölkerung und Bedeutung gewann. Bald wurde er das „Neue Bolgar“ genannt. Somit war es nur logisch, diesen Vorposten, Kazan', zur Hauptstadt des neuen Khanats zu machen. Der Handelsweg in den Osten – nach Persien, Indien und China – verlief durch Kazan', so daß die Stadt an der Grenze zwischen Orient und Okzident zu einem bedeutenden Marktplatz wurde.
Die Kultur des Khanats Kazan' war vor allem die der Wolgabolgaren, wobei die Kontakte zur arabischen Welt allerdings weiter intensiviert wurden. Das geistig-kulturelle Leben war hochentwickelt; Analphabeten gab es hier wenige, das Schulnetz war lückenlos, die Dichter weithin berühmt. Das bekannteste Baudenkmal aus dieser Zeit ist der – zunehmend schiefe – Sjujumbike-Turm (oder auch Sjujumbeki-Turm; es gibt beide Namensversionen) im Kreml' von Kazan', um dessen Bau sich zahlreiche Legenden und Lieder ranken.
Die Beziehungen zu Moskau wurden zunehmend komplizierter: Moskau hatte keinen direkten Zugang zu irgendeinem Meer und war daher in seinen Handelsbeziehungen immer auf Mittler wie eben Kazan' angewiesen. Aus diesem Grund versuchten die Zaren, den gesamten Wolgalauf unter ihre Kontrolle zu bringen. Dieser ständige Druck blieb nicht ohne Folgen: Im 16. Jahrhundert herrschte in Kazan' zunehmend Uneinigkeit darüber, ob man mit dem Krym-Khanat eine einheitliche Politik betreiben oder sich Moskau annähern sollte.
Bewaffnete Auseinandersetzungen brachen aus, die den Staat erheblich schwächten. Dies war der wesentliche Faktor, der es Ivan IV. dem Schrecklichen (eigentlich „dem Gestrengen“) 1552 ermöglichte, Kazan' nach zweimonatiger Belagerung von der Wolga-Insel Svijažsk aus zu erobern. Er annektierte das Khanat und begann eine entschlossene Russifizierungs- und Christianisierungspolitik.
Zunächst wurde das Gebiet weiterhin Khanat Kazan' genannt und behielt trotz der Verwaltung durch einen moskowitischen Generalgouverneur einige Unabhängigkeit. Erst als Peter I. der Große (1672-1725) damit begann, aus dem konfusen und in endlose Machtkämpfe verstrickten Rußland ein einheitliches und mächtiges Land aufzubauen, wurde das Khanat in ein ordentliches Gouvernement des russischen Reiches umgewandelt. In dieser Zeit ereignete sich auch der einzige gewaltsame Aufstand der Tataren, da laut einem Ukaz (Erlaß) Zar Peters alle tatarischen Landbesitzer entweder den christlichen Glauben annehmen oder ihren Besitz und ihre Privilegien verlieren sollten. Konvertiten wurden hingegen für drei Jahre alle Steuern erlassen, die dafür, da irgendjemand schließlich das Staatssäckel füllen mußte, den „Ungläubigen“ zusätzlich auferlegt wurden.
Muslimische Grabsteine wurden als Grundsteine christlicher Kirchen verwendet und Moscheen abgerissen. Viele muslimische Tataren wanderten in dieser Zeit in den Ural ab. Aufgrund dieser radikalen Unterdrückung des muslimischen Glaubens ist es nicht erstaunlich, daß die Tataren dann etwas später (1773-75) auch den Pugačev-Aufstand begeistert unterstützten. 1774 eroberte Pugačev mit seiner Bauernarmee Kazan' im Sturm, und Dutzende von Kirchen und Klöstern wurden zerstört. Nach der Niederschlagung des Aufstandes gewährte Katharina II. die Große den Tataren wieder das Recht auf freie Religionsausübung und auf den Bau steinerner Moscheen. Was wie ein Sonderrecht klingt, war eigentlich eine Assimilierung - die Tataren waren nichts „Besonderes“ mehr, sondern nurmehr eines von vielen Völkern in einem Vielvölkerstaat.
Dennoch fällt die Bilanz des 18. Jahrhunderts positiv aus. Seine wichtige Rolle als Brücke zwischen Ost und West und wichtigster Handelsplatz zwischen beiden hatte Kazan' auch nach der russischen Eroberung beibehalten. Peter I. gründete die ersten Kazaner Manufakturen und Schiffswerften, die für die weitere Entwicklung der Stadt von nicht geringer Bedeutung waren. Die Handelsschiffahrt auf der Wolga nahm immer mehr zu. In der kulturellen Entwicklung der Tataren bedeutete die Liberalisierung unter Katharina II. einen wichtigen Schritt, nicht nur, weil nun monumentale Moscheen gebaut werden konnten und die alten tatarischen Familien ihre Fürstentitel zurückerhielten.
Vor der radikalen Christianisierungspolitik des 17. und 18. Jahrhunderts hatte der Islam für die Tataren eine eher untergeordnete Rolle gespielt, war dann jedoch infolge des äußeren Drucks zu einem Teil der nationalen Identität geworden. Nun setzte dank der Liberalisierung wieder eine Gegenbewegung ein, Staats- und Gesellschaftsdenken lösten sich von der Religion, die sich durch diese Emanzipation von der Politik ihrerseits aus den mittelalterlichen Denkstrukturen befreien konnte. So bildete sich bei den Tataren eine reformierte, auf Erneuerung ausgerichtete, nach vorne statt nach hinten blickende Richtung des Islam heraus: der Džadidizmus („Neue Methode“). Damit waren sowohl die tatarische Kultur als auch die tatarische Politik bereits seit dem frühen neunzehnten Jahrhundert vom Islam unabhängig und profitierten zugleich von dessen friedlicher und fortschrittsorientierter Grundhaltung.
Von nun an geht die Geschichte der Tataren endgültig in der Geschichte Rußlands auf und verläuft ebenso wie die aller nichtrussischen Völker in diesem Land. Allerdings verlor Kazan' nie seine besondere Rolle als Brücke zwischen Ost und West. Es war die drittgrößte Stadt des russischen Reiches, eine reiche Stadt mit hochentwickelter Kultur. 1804 wurde die Kazaner Universität als die zweite des Landes eröffnet, was ebenfalls wesentlich zur Verbreitung moderner Ideen und zur kulturellen Weiterentwicklung beitrug.
1917 war Kazan' nach Peterburg, das nun Petrograd hieß, die zweite Stadt, die die Sowjetmacht ausrief. 1920 wurde die Tatarische Autonome Sowjetische Sozialistische Republik (Tatarskaja ASSR) gegründet. In der Folgezeit dehnte sich Kazan' immer mehr aus, als rund um neue Betriebe riesige Industriegebiete entstanden. Im kulturellen Bereich fanden hier dieselben Änderungen statt wie im übrigen Land: die Bildungseinrichtungen wurden verstaatlicht, die freie und tatarischsprachige Presse verschwand nach und nach, Moscheen und Kirchen wurden geschlossen. Im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche wissenschaftliche und kulturelle Einrichtungen sowie Industriebetriebe nach Kazan' evakuiert, die nicht alle nach Kriegsende wieder verschwanden. In den Nachkriegsjahren änderte sich das Stadtbild erneut. In den 50er Jahren wurde das Kujbyšev-Wasserreservoir angelegt, was auch in Kazan' den Bau langer Dämme notwendig machte und Wolga und Kazanka wesentlich verbreiterte. Für die wachsende Bevölkerung wurden rund um den alten Stadtkern riesige neue Viertel gebaut.
Das friedliche Wesen der Tataren bewies sich in der Zeit des Zerfalls der Sowjetunion: Zwar bestanden auch sie auf einer unabhängigen Republik und riefen diese 1990 auch einseitig aus, aber es kam zu keinen Ausschreitungen oder nationalistischen Übergriffen. Natürlich lief nicht alles reibungslos. So stellte Moskau zum Beispiel zeitweise die Gaslieferungen an Tatarstan ein. Es gab zahlreiche Pro- und Contra-Demonstrationen und von nationalem Pathos erfüllte Reden. Aber im Großen und Ganzen verliefen die Verhandlungen zwischen Moskau und Kazan' friedlich und 1992 wurde die Souveränität der Republik Tatarstan proklamiert. Tatarstan und Rußland schlossen einen bilateralen Staatsvertrag, der 1994 in Kraft trat.
Seither hat sich die Politik Tatarstans in mancher Hinsicht von derjenigen Rußlands entfernt. Während die Moskauer Führung zum Beipiel immer noch auf die amerikanisch geschulten Berater hört, denen zufolge jedes Abweichen vom totalen Kapitalismus verwerflicher Sozialismus ist, hat Tatarstan längst erkannt, daß diese Doktrin nur der Mafia und den Geschäftsleuten nutzt, die Menschen dabei aber auf der Strecke bleiben. So kontrolliert es zum Beispiel die Preise für die Grundnahrungsmittel und bessert die Renten durch Zuzahlungen auf. Natürlich ist die wirtschaftliche Lage der Menschen auch in Tatarstan nicht rosig, dafür war die Wirtschaftskrise der 90er Jahre zu schwer; dennoch lebt es sich hier etwas besser und vor allem friedlicher als in vielen anderen Gegenden Rußlands.
Naturgemäß ist die Republik Tatarstan heute das Epizentrum der tatarischen Nation. Doch bei weitem nicht alle Tataren leben in Tatarstan. Mit etwa 6,7 Millionen Angehörigen sind die Tataren heute eines der größten turksprachigen Völker; innerhalb der Russischen Föderation sind sie die zweitgrößte Ethnie nach den Russen. Etwa 1,8 Millionen Tataren leben in Tatarstan, 1,1 Millionen in Baškortostan, 470.000 in Uzbekistan, 330.000 in Kazachstan, 110.000 in Udmurtien, 87.000 in der Ukraine, 72.000 in Tadžikistan, 70.000 in Kirgizien, 47.000 in Mordova, 43.000 in Mari El, 40.000 in Turkmenien, 35.000 in Čuvasien, 28.000 in Azerbajdžan und 14.000 in den baltischen Ländern. 100 - 200.000 Tataren leben außerhalb des Gebietes der ehemaligen Sowjetunion.