Gerade wurde wieder einmal eine der endlosen Hörerumfragen im Radio gesendet, in denen plötzlich jeder zum Experten für alles wird.
Und wieder, wie in letzter Zeit immer, bezeichneten sich 90 Prozent der Befragten selbst als „man“: Man ging dorthin, man fühlte sich willkommen, man aß eine Kleinigkeit, man dachte, man mochte es nicht usw. Welcher Größenwahn doch aus diesen Aussagen spricht. Diese Personen sprechen zwar von sich selbst, bezeichnen sich dabei jedoch als die Allgemeinheit. In ihren Aussagen sind sie keine einzelnen Menschen mehr, sondern die Menschheit insgesamt. Was sie machen, hat Allgemeingültigkeit.
Halten sie sich selbst wirklich für so wichtig, daß sie glauben, die ganze Welt müsse genau wie sie denken und handeln? Oder sind sie derart entpersönlichte Massenwesen, daß sie ihr eigenes Denken und Handeln nur noch für legitim erachten, wenn es von der gesamten Menschheit geteilt wird? Was für eine lächerliche Selbstüberschätzung, und zugleich – was für ein erbärmliches Versagen des Menschen als Individuum.