Tacheles

Chatten

Chatten ist mittlerweile zu einem Massenphänomen geworden. Vor einigen Jahren noch waren die Chatgemeinden überschaubar, man kannte fast jeden und jeder neue Chatter fiel auf. Heute sind die Chaträume zu jeder Tages- und Nachtzeit voll, im Gegensatz zur „guten alten Zeit“ gibt es heute kaum noch wirkliche Gespräche, das inhaltliche und sprachliche Niveau kann kaum noch tiefer sinken. Und dennoch finde ich das Chatten unwiderstehlich. Für jemanden, der gerne Menschen beobachtet, ist der Chat eine Goldgrube, auch wenn die Beobachtungen immer negativer werden: Mittlerweile ist tumb-aggressive Selbstgerechtigkeit zu der Eigenschaft geworden, die man bei Chattern am häufigsten findet. Und auf Kinder und Jugendliche hat das Chatten offenbar eine sozial fatale Wirkung, da sie ihr Kommunikationsverhalten nicht in der Konfrontation mit „echten“ Menschen lernen, sondern vor dem Bildschirm, also in einer Situation, in der sogar erwachsene Menschen häufig übersehen, daß auch am anderen Ende der Leitung ein Mensch sitzt und nicht irgendein gefühlloses Spielzeug. Besonders interessant wird der Chat für mich dadurch, daß hier Menschen der verschiedensten sozialen und kulturellen Herkunft und aus allen Altersgruppen zusammenkommen. Menschen, die sich ohne das Internet nie kennenlernen würden. Diese Vielfalt ist auf jeden Fall eine Bereicherung.