Hin und wieder verirrt sich einer meiner Chatbekannten auf meine Literaturseiten. Und häufig kommen dann Kommentare der Art „Ich lese auch gerne, aber natürlich nicht solche Bücher wie du“; ein verschämtes Eingeständnis, „schlechte“ Bücher zu lesen. Was soll das?
Mir ist unbegreiflich, wieso nur das gute Literatur sein soll, was von bestimmten Kritikern und Literaturwissenschaftlern gewogen, für gut befunden und in den Kanon der von ihnen sanktionierten Werke aufgenommen wurde. Für mich ist ein gutes Buch ein Buch, das etwas über die Menschen erzählt und dadurch zum Denken anregt. Ein literarisch hochwertiges Buch ist eines, das dies zusätzlich auf hohem künstlerischem Niveau macht. Ich habe durchaus schon Liebesromane, erotische Erzählungen, Science Fiction und Krimis gelesen, die hervorragend erzählt waren. Und ich liebe Comics. Umgekehrt würde ich persönlich einen Großteil der deutschen Nachkriegsliteratur nicht zur guten Literatur zählen, auch wenn sie noch so hochgelobt wird: Diese endlose Selbstbetrachtung, diese Mischung aus Selbstmitleid und Selbstverherrlichung, dieses Denken im Vakuum ... diese Bücher sind tot. Zum Heulen langweilig. Oder nehmen wir die „Blechtrommel“. Und wenn Grass tausendmal den Nobelpreis bekommt, ist dieses Buch für mich doch ein vulgäres und ödes Machwerk, das man bestenfalls in der leicht schwachsinnigen Phase der Pubertät gut finden kann.
Außerdem hat jeder Mensch seinen eigenen Geschmack und das ist gut so. Wo kämen wir denn hin, wenn man sich von anderen vorschreiben ließe, was man gut zu finden hat und was nicht. Nein, überlassen wir dieses lächerliche Verhalten den Vernissagen-Besuchern und lesen wir weiter die Bücher, hören wir die Musik und sehen wir uns die Bilder an, die uns selbst gefallen! Und selbst nichts davon zu machen ist immer noch besser, alles nach Papageienart eine „Expertenmeinung“ nachzuplappern, die nicht die eigene ist.