Tacheles

„Die Wahrheit über den Golfkrieg“

„Die Wahrheit über den Golfkrieg“

Das ist nicht der Titel einer Kampagne von Amerika- oder Kriegsgegnern, sondern der eines amerikanischen Dokumentarfilmes aus dem Jahr 2000.

Der Film beginnt mit einer Schilderung der Kolonialgeschichte des Irak und seiner heutigen strategischen und wirtschaftlichen Bedeutung. Die erste Überraschung – immerhin ist dies ein amerikanischer Film – ist der Bericht darüber, wie die CIA Saddam Hussein 1968 an die Macht putschte und ihn mit Rüstungsgütern und Krediten versorgte. Als Hussein 1972 die Ölfelder verstaatlichte, also den Interessen seiner amerikanischen Paten zuwiderhandelte, unterstützten die USA den Schah. Sie schwenkten allerdings erneut zu Hussein um, als 1979 die Mullahs im Iran die Macht übernahmen, da sie nun jemanden brauchten, der für sie die Schmutzarbeit erledigte und Krieg gegen den Iran führte. Wenn nur der Profit zählt, spielen ein paar tausend Tote mehr oder weniger keine Rolle, und so belieferten die USA im ersten Golfkrieg beide Parteien mit Waffen.

Auch die nächste Passage des Filmes dürfte den amerikanischen Machthabern nicht gefallen. Als der Irak ein Drittel seiner Erdöleinnahmen verlor, nachdem Kuweit 1988 sein Öl verbilligte, wurde Hussein von den USA ermuntert, Kuweit zu besetzen, da die USA einen Kriegsgrund und ein Argument brauchten, damit Saudi-Arabien der Einrichtung amerikanischer Militärbasen zustimmte. Nie um eine Lüge verlegen, behaupteten die USA, Hussein bedrohe nicht nur Kuweit, sondern wolle auch Saudi-Arabien überfallen und habe dafür bereits riesige Panzerverbände zusammengezogen. Hussein tappte prompt in die Falle und die USA waren sofort in der Lage, in Kuweit einzumarschieren. Man mußte schon blind sein, um nicht zu erkennen, daß dieser Überfall von langer Hand vorbereitet war. Und es war keineswegs, wie die US-Regierung bis heute behauptet, ein gezielter Krieg gegen strategische Ziele, sondern eine gezielte Zerstörung der gesamten Infrastruktur: Wasser- und Stromversorgung, Kommunikationssystem, Staudämme.

Der Film sagt auch unmißverständlich, was Militär und Regierung bis heute leugnen: Die Amerikaner verschossen bewußt Uranabfall, der über 4 Milliarden Jahre lang radioaktive Strahlung abgeben wird, und teilten dies weder den eigenen noch den alliierten Soldaten mit. 2000 waren an den Folgen der Verstrahlung bereits fast 10.000 US-Soldaten gestorben, über 180.000 erkrankt. Die Folgen für Menschen und Natur im gesamten betroffenen Golfgebiet sind verheerend, die Schuldigen weisen jede Verantwortung weit von sich. Der Film verweist sowohl darauf, daß dieselbe Munition im Kosovo und in Serbien verschossen wurde, als auch darauf, daß das US-Militär solche Verbrechen fast schon routinemäßig begeht. Beispiele sind das im Vietnamkrieg eingesetzte Agent Orange oder die Tatsache, daß US-Soldaten als Versuchskaninchen dem Fallout von Atomexplosionen ausgesetzt wurden.

Im Film kommen auch amerikanische Kriegsteilnehmer zu Wort, die weitere Lügen der US-Regierung aufdecken: Kuweit wurde innerhalb von 24 Stunden praktisch ohne Widerstand eingenommen, für die Eroberung Bagdads hätten weitere ein bis zwei Tage genügt. Außerdem wäre es eine Kleinigkeit gewesen, Saddam zu stürzen, da überall im Land bereits Aufstände gegen ihn ausgebrochen waren. Demnach war nicht nur die Behauptung, der Irak verfüge über eine riesige Kriegsmaschinerie, eine Lüge, sondern die US-Regierung vermied durch einen Waffenstillstand in letzter Minute auch bewußt eine Zerschlagung des Hussein-Regimes und ermöglichte es diesem dadurch, die Aufstände blutig niederzuschlagen. Nach einem Grund braucht man nicht lange zu suchen: Nach einem Sieg hätten die USA ihre Truppen aus dem Golfraum abziehen müssen und Iraks Nachbarstaaten hätten keine Rüstungsgüter mehr benötigt. Der Dämon Saddam war für Amerikas wirtschaftliche und strategische Interessen demnach von größter Bedeutung.

Auch einige Zahlen nennt der Film mit ungewöhnlicher Ehrlichkeit: 200.000 Iraker wurden getötet, die meisten davon Zivilisten, bei 110.000 Lufteinsätzen wurden 88.500 Tonnen Bomben abgeworfen, tausende Iraker starben durch die Strahlenverseuchung, tausende durch das fortgesetzte Embargo, das Husseins Macht gefestigt hat.

Im Film werden zwei Zitate wiedergegeben, die wahrscheinlich zu bekannt sind, als daß man sie wiederholen müßte, die aber wegen ihrer Eindeutigkeit nicht oft genug wiederholt werden können:

Henry Kissinger: „Öl ist zu wichtig, um es den Arabern zu überlassen.“

Außenministerin Albright, 1996 auf eine halbe Million durch das Embargo getötete irakische Kinder angesprochen: „Ich denke, es ist eine sehr harte Entscheidung, aber wir finden, daß es das wert ist.“