Die Unfähigkeit an sich nicht unintelligenter Menschen, die eigene Doppelmoral zu erkennen, fasziniert mich immer wieder. Nur ein Beispiel.
Da ist jemand vielleicht ein Jahr arbeitslos, nimmt alle staatlichen Hilfen in Anspruch, derer er habhaft werden kann, beklagt sich über deren geringe Höhe, beschwert sich über die Unfähigkeit der Arbeitsamtsangestellten, ohne jedoch selbst rührig zu werden, wartet, bis ihm eine Stelle angeboten (wohlgemerkt; angeboten, nicht selbst gesucht und gefunden) wird, die er für seiner würdig erachtet.
Doch sobald er diese Stelle hat, bezeichnet er alle Arbeitslosen als arbeitsscheu, beschuldigt sie, zu faul für Eigeninitiative zu sein, klagt sie an, einzig und allein auf das Kassieren staatlicher Hilfen bedacht zu sein, fordert, sie müßten jede Arbeit annehmen, die sie finden könnten, oder auf staatliche Unterstützung verzichten.
Und statt zuzugeben, daß er bei sich und anderen schlichtweg mit zweierlei Maß mißt, nimmt er für sich selbst auch noch innovatives Denken fern aller eingefahrenen Denkmuster in Anspruch.
Ach du erbärmlicher Kleingeist.