Die Star Trek-Serien sind für mich eines der eindrücklichsten Beispiele für das Denken von Männern. Wie Pasternak es einmal ausgedrückt hat: Frauen haben Flügel, um ihren Nachwuchs auf dem Boden zu schützen, Männer haben Flügel, um über den Wolken zu schweben. Anders ausgedrückt: Das Denken von Frauen ist in der Realität verankert, das der Männer in Phantastereien.
So ist es auch bei Enterprise, Voyager und Co. Alle diese Serien gehen davon aus, daß der absolute Friede auf Erden hergestellt wurde. Wie? Von wem? Keine Ahnung. Nicht nur dieses „wie“ wird lässig übersprungen, sondern die Grundannahme des moralisch geläuterten Menschen der Zukunft entbehrt auch jeder Glaubwürdigkeit. Die in den Serien handelnden Personen verhalten sich nicht besonders intelligent, kultiviert oder aufgeklärt, sondern ganz im Gegenteil wie Amerikaner des 20. Jahrhunderts. Der ehrgeizige Captain Picard, der aggressiv wie ein Kleinkind, das dringend der Erziehung bedarf, reagiert, sobald sich nicht das ganze Leben seinen Wünschen unterordnet. Der arrogante und selbstgerechte Commander Chakotay mit seiner Selbstüberschätzung, die selbstgerechte und pathetische Captain Janeway mit ihrer verlogenen amerikanischen Doppelmoral. Captain Archer, dessen Sprache und Niveau die eines amerikanischen Proleten sind, der nie Zugang zu Bildung und Kultur hatte. Die gesamte Busheske Crew der jüngsten Star Trek-Generation, die zwar wunderbar die amerikanischen Ansprüche auf die Herrschaft über das Universum widerspiegelt, auf jedes intelligente Lebewesen jedoch außerordentlich intolerant, engstirnig und geistig beschränkt wirkt. Überhaupt ist im Laufe der Jahre von der multikulturellen Atmosphäre und der relativen Offenheit (relativ, da auch sie allzu oft als Apologese der amerikanischen Lebensweise und Politik herhalten mußte) der ersten Star Trek-Serie nichts mehr übriggeblieben. Stattdessen nahm die Konzentration auf die wenigen Führungsoffiziere zu, die Mannschaften dienen nun nurmehr als Kanonenfutter, „Aliens“, die sich nicht in das amerikanische Schwarz-Weiß-Denken der Captains pressen lassen, werden als minderwertig eingestuft, anderes Denken, andere Kulturen brauchen nicht berücksichtigt zu werden, da die Amerikaner (sie nennen sich „Föderation“, doch ihre gesamte Doktrin ist durch und durch amerikanisch) und nur die Amerikaner genau wissen, was richtig und was falsch ist.
Alle diese Figuren lassen einen Frieden auf Erden – von einer friedlichen Galaxie ganz zu schweigen – extrem unwahrscheinlich erscheinen. Doch gerade das ist ein Kernpunkt dieser Männerphantasie, oder vielmehr ein Kern des Denkens und Handelns von Männern überhaupt. Sie setzen mit großartigen Reden von Familienidylle und Vaterschaft Kinder in die Welt, doch um deren Windeln und Erziehung soll sich bitte jemand anderer kümmern. Sie regeln lieber die Angelegenheiten abstrakter wirtschaftlicher oder politischer Gebilde als den konkreten Alltag ihrer unmittelbaren Umgebung, sie schwafeln lieber von Fernzielen, als sich um die Lösung heute realer Probleme zu kümmern, sie führen lieber Krieg, statt sich die Mühe zu machen, mit ihren Nachbarn auszukommen, sie verschwinden lieber in den Weltraum, statt sich um die mühsame Beseitigung der von ihren Phantastereien angerichteten Schäden auf der Erde zu kümmern. Sie träumen heroische Träume und sind unfähig, sich sich selbst zu stellen, ihre Handlungen zu erkennen und deren Konsequenzen zu tragen – die Realität so zu sehen und zu akzeptieren, wie sie ist.
Daher sind auch so wenige Männer tatsächlich zu logischem Denken in der Lage (was auch die zahllosen Widersprüche und Ungereimtheiten in der angeblichen so makellosen Logik von Star Trek belegen). Denn logisches Denken verträgt sich nicht mit dem Verfälschen oder Leugnen von Tatsachen.
Ein hervorragendes Beispiel hierfür sind die Vulkanier, die nach eigener Ansicht keine Gefühle kennen und ausschließlich der Logik folgen. Dafür werden sie von ihren menschlichen Kollegen als überlegene Wesen bewundert. Doch diese Einschätzung krankt an zwei Punkten. Erstens sind auch Gefühle Tatsachen, die jedermanns Denken und Handeln beeinflußen. Somit ist eine Logik, die Gefühle leugnet, von vornherein fehlerhaft. Und zweitens zeigt das Verhalten der Vulkanier deutlich, daß sie jede Menge Gefühle haben, sogar recht heftige; sie sind lediglich Meister im völligen Unterdrücken aller Emotionen. Und dies ist bekanntlich kein Zeichen von Stärke, sondern von Schwäche. Dadurch mögen sie anderen Spezies zwar in technologischer Hinsicht einiges voraushaben, in jeder anderen Hinsicht allerdings hinken sie diesen von ihnen als unterlegen betrachteten Spezies weit hinterher.
Womit wir wieder beim Denken der Männer angelangt sind. Sie halten sich selbst für das starke Geschlecht, aber stärker sind sie allenfalls in puncto Körperkraft. Ansonsten sind sie eher schwach, was schon allein das Bedürfnis, stärker, überlegen zu sein, beweist. Sie halten sich für vernünftiger und realistischer als die Frauen und sind doch Meister darin, anstatt der Tatsachen nur ihre eigenen Vorurteile wahrzunehmen. Ihr sogenannter Realitätssinn ist meist nichts anderes als egozentrischer Opportunismus. Sie verurteilen Frauen als ewig jammernde, nörgelnde Lebewesen, und schwelgen doch selbst liebend gerne in Selbstmitleid (in dem sie dann natürlich von Frauen getröstet werden möchten). Sie lachen über die Eitelkeit von Frauen und doch ist jeder von ihnen eitler als ein ganzes Dutzend Frauen. Und so weiter, und so weiter. Ja, was die geistige Reife angeht, besteht zwischen Männern und dreijährigen Kindern wirklich kein nennenswerter Unterschied. Siehe Star Trek.