Die Ansicht, der Mensch unterscheide sich durch seine Denkfähigkeit vom Tier, scheint weithin akzeptiert zu sein. Dabei ist diese Ansicht recht anmaßend. Mehr als eine Ansicht ist dies auch gewiß nicht, da es an einem schlüssigen Beweis mangelt. Naturgemäß. Wären alle Menschen taub und Zeichensprache das einzige ihnen bekannte Verständigungsmedium, so könnten sie andere Arten von Sprache nicht als Sprache erkennen und würden vermutlich behaupten, sich durch ihre Sprechfähigkeit von allen anderen Lebewesen zu unterscheiden. Ein Apfel kann nicht definieren, wodurch er sich von einer Birne unterscheidet, da er eben in seinem Apfelsein feststeckt und die Grenzen seiner Erkenntnismöglichkeiten durch dieses Apfelsein gesteckt sind. Wenn er ein ehrlicher Apfel ist, wird er das auch einsehen und nicht behaupten, er verfüge über einzigartige Fähigkeiten, durch die er sich von allem anderen, was so zwischen Himmel und Erde kreucht und fleucht, unterscheide.
Ich denke, also bin ich. Mag ja sein, aber die Behauptung, nur wer auf menschliche Art denke, sei, geht denn doch zu weit. Die Denkprozesse anderer Lebewesen und Dinge laufen eventuell ganz anders ab als die des Menschen, vielleicht sind ganz andere Organe für dieses Prozesse zuständig, möglicherweise sogar Organe, die der Mensch mit seinem im Menschsein verhafteten Denken noch nicht einmal als Organe erkennen kann. Da der Mensch nicht über sein eigenes an sein Menschsein gebundenes Denken hinausdenken kann, sollte er sich hüten, anderen Lebewesen und Dingen die Fähigkeit zum Denken abzusprechen.
Ja ja, ich weiß, der Mensch möchte so gerne die Krone der Schöpfung sein. Aber über Kronesein oder Nichtkronesein entscheidet keinesfalls die Fähigkeit zum Denken an sich, sondern höchstens die Qualität dieses Denkens. Und die entlarvt den Menschen denn doch als den Tiefpunkt und nicht die Krone der Schöpfung.
There are more things in heaven and earth, Horatio,
Than are dreamt of in your philosophy ...