Tacheles

Lebensraum im Osten

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 29. September 2000

Zwischen 1948 und 1967 war Jerusalem getrennt. Der 38 Quadratkilometer umfassende Westteil stand unter israelischer Kontrolle. Der Osten mit der Altstadt, rund 6 Quadratkilometer, stand unter jordanischer Kontrolle. Nach der Eroberung im Sechs-Tage-Krieg verdreifachte Israel das Stadtgebiet, mehrheitlich mit der Annexion von Land in Cisjordanien. Die israelische Stadtplanung verfolgte das Ziel, in ganz Jerusalem eine jüdische Bevölkerungsmehrheit zu erreichen. Aus diesem Grund wurden die arabischen Bevölkerungszentren in der Nähe Jerusalems, etwa das Dorf Abu Dis, nicht zum Stadtgebiet erklärt. Ein Drittel der nach 1967 annektierten rund 70 Quadratkilometer grossen Landfläche wurde enteignet, meist von palästinensischen Privatbesitzern. Die spätere Nutzung kam ausschliesslich jüdischen Bewohnern zugute. Die in Jerusalem wohnhaften Palästinenser wurden israelischem Recht unterstellt. Ihnen ist nur gerade auf sieben Prozent der Fläche Ostjerusalems der Wohnungsbau gestattet, was zu einer enormen Wohnungsnot unter den nichtjüdischen Bewohnern Jerusalems geführt hat. Palästinensische Einwohner Jerusalems, die wegen fehlenden Wohnraums auf cisjordanisches Gebiet umgezogen sind, verlieren nach kurzer Zeit das Aufenthaltsrecht in Jerusalem. Obwohl die Palästinenser Jerusalems demselben Steuerregime wie alle andern Bewohner der Stadt unterliegen, wird die Infrastruktur in ihren Wohnvierteln vernachlässigt. So stehen beispielsweise in Westjerusalem 36 Schwimmbäder zur Verfügung, in Ostjerusalem keines. Von den offiziell 634 000 Bewohnern der Stadt sind rund 200 000 Palästinenser. Etwa gleich viele Juden leben heute in Stadtteilen im Osten, die nach 1967 annektiert worden sind.

Quelle: The Israeli Information Center for Human Rights in the Occupied Territories.