So fing alles an:
Der Irak möchte die Revolutionswirren im Iran nutzen, um einen alten Grenzstreit für sich zu
entscheiden. Die USA liefern B- und C-Waffen an den Irak, damit dieser 1980 bis 1988 einen brutalen Krieg
gegen den von den USA als Erzfeind betrachteten Iran – und nebenbei auch gegen die Kurden im eigenen Land –
führen kann. Mit denselben von den USA gelieferten Waffen bombardiert das irakische Regime im Mai 1988 im
Nordirak die eigene (kurdische) Bevölkerung: 5000 Tote an einem einzigen Tag. Die USA schweigen dazu. Das
heißt, nicht ganz. Ein Sprecher des US State Department sagte über Saddam Hussein immerhin: „Er ist
ein Bastard, okay. Aber er ist unser Bastard.“
Diese Tatsache ist heute allgemein bekannt. Dennoch sagte Colin Powell in seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat
am 5.2.2003: „Saddam Husseins Einsatz von Senfgas gegen die Kurden im Jahr 1988 war eine der schrecklichsten
Greueltaten des 20. Jahrhunderts. 5000 Männer, Frauen und Kinder kamen ums Leben. Bei seinem Feldzug gegen
die Kurden von 1987 bis 1989 wurden Massenexekutionen vorgenommen, Menschen verschwanden, wurden willkürlich
verhaftet, es wurden ethnische Säuberungen durchgeführt und ungefähr 2.000 Dörfer zerstört.“
Geschichtsfälschung nennt man das.
Erst als der Irak Anfang August 1990 in Kuwait einmarschierte, regten sich die USA und erklärten Saddam Hussein urplötzlich zum Inbegriff des Bösen. Präsident Bush forderte eine militärische Intervention der USA in Kuwait und im Irak. Zunächst forderte er dies auch im eigenen Land ohne Erfolg, denn die persönlichen finanziellen Interessen des Ölmilliardärs Bush und seiner Clique waren allzu offenkundig.
Womit gewinnt man Amerikaner? Mit einer Medienkampagne. Ergo wurde die weltgrößte PR-Agentur Hill & Knowlton mit einem Budget von fast 11 Millionen Dollar beauftragt, die amerikanische Bevölkerung für einen Irak-Krieg zu motivieren. Das Geld stammte von der kuwaitischen Regierung sowie diversen amerikanischen Industrieunternehmen und wurde durch eine Organisation namens „Citizens for free Kuwait“ vergeben. Bush Senior vermied zwar eine direkte Beteiligung an der Kampagne, doch die Tatsache, daß der Chef von Hill & Knowlton ein enger Freund und Berater Bushs ist, spricht für sich.
Am 10. Oktober 1990 wurde vor dem Menschenrechtsausschuß des US-Kongresses das 15jährige kuwaitische Mädchen Nayirah vorgeführt, das berichtete, als freiwillige Helferin in einem Spital in Kuwait miterlebt zu haben, wie irakische Soldaten Babys aus dem Brutkasten nahmen und töteten. Bush zitierte diese Geschichte oft und konkretisierte sie dabei. Schlagartig waren sowohl die US-Bevölkerung als auch der UN-Sicherheitsrat kriegsbereit. Als Nayirah als Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA identifiziert, ihre Geschichte als Machwerk der PR-Agentur entlarvt wurde, war es zu spät. Amnesty International, das die Horrorgeschichte im Menschenrechtsbericht vom Dezember 1990 brav nachgeplappert hatte, dementierte sie im April 1991, doch der Schaden war bereits angerichtet. Neben der Brutkastenlüge produzierte die Agentur in Eigenregie zahlreiche Nachrichten-Videos, die von Fernsehstationen rund um den Globus als journalistische Berichterstattung gesendet wurden.
Dies war die erste Lüge der US-Regierung, um diesen für sie wichtigen Krieg anzuheizen. Bereits hier wurde sie von CNN unterstützt, das dann auch erfolgreich dafür sorgte, daß die von den US-Streitkräften im Irak angerichteten Massaker keinen Weg in die gleichgeschalteten US-Medien fanden. 250.000 Menschen wurden von der US-Armee getötet. Mindestens 150.000 davon waren Zivilisten. Unbewaffnete, fliehende Menschen wurden massenweise aus der Luft niedergeschossen und bombardiert. Der damalige für die massenweisen Verbrechen gegen die Menschenrechte verantwortliche Verteidigungsminister ist heute Vizepräsident: Richard Cheney.
Der ehemalige US-Verteidigungsminister Ramsey Clark schreibt in seinem 1993 auf Deutsch veröffentlichten Buch „Wüstensturm“: „Das war Völkermord“, „Der Überfall auf den Irak war praktisch von Anfang bis Ende ein Kriegsverbrechen, das Tausende von kriminellen Einzeltaten umfasste.“ Er erhob eine Anklage gegen Präsident Bush wegen 19 Kriegsverbrechen, die jedoch unterdrückt wurde.