Tacheles

Wikipedia

Neuerdings wird die Wikipedia gerne allüberall als Informationsquelle zitiert. Auch ich habe auf dieser Website in den Autoren-Notizen schon einige Wikipedia-Aufsätze zitiert, allerdings erst nach einer rigorosen Überarbeitung. Meine Begeisterung über diese Enzyklopädie hält sich sehr in Grenzen.

Natürlich ist es im Prinzip begrüßenswert, daß an diesem Informationsfundus jeder mitarbeiten kann. Das Riskante daran ist, daß sich heute jeder für einen Experten für alles hält. Jeder, der ab und zu an einem Computer herumbastelt, glaubt jeden ausgebildeten Informatiker in den Schatten zu stellen. Wer schon einmal einen historischen Film gesehen hat, hält sich für einen Fachmann für Geschichte. Wer gerne Museen und Ausstellungen besucht, meint sich ebenso gut in Kunst auszukennen wie ein Kunsthistoriker. Wer gerne liest, hält sein Verständnis für dem eines Literaturwissenschaftlers ebenbürtig. Für einen Sprachexperten hält sich sowieso jeder. Ich bin durchaus nicht der Meinung, daß das Schreiben von Enzyklopädien (und anderer Fachliteratur) Professoren überlassen werden sollte; ein bißchen frischer Wind in der Fachliteratur würde uns keineswegs schaden. Aber wer Lexikoneinträge verfaßt, sollte sehr genau wissen, wovon er redet. Und er sollte in der Lage sein, einen Artikel zu strukturieren und in korrektem Deutsch abzufassen. Beide Voraussetzungen sind bei den Autoren der Wikipedia keineswegs immer gegeben.

Auch daß die Wikipedia nach Belieben kopiert werden darf, ist nur im Prinzip begrüßenswert. In der Praxis ist es eher lästig. Es ist weder hilfreich noch amüsant, bei der Recherche im Internet statt auf sinnvolle Informationen auf Hunderte von Kopien der Wikipedia zu stoßen. Daß viele Personen und Unternehmen das gesamte Werk ohne Sinn und Verstand in ihre eigenen Websites kopieren, ist ein Beleg für die beiden unangenehmsten Eigenschaft der Internetwelt: Wichtigtuerei und Masse statt Klasse.