Tacheles

Darf man Menschen ändern?

Eine häufig gestellte Frage, auf die die Antwort meist „Ja, man muß es sogar“ lautet. Nun, ich bin wieder einmal anderer Meinung.

Meine Antwort lautet: „Nein, man darf es nicht.“

Erstens: Wie kommt irgendjemand dazu, sich einzubilden, er wüßte, wie andere zu sein und nicht zu sein haben? Das zu glauben, ist anmaßend und selbstgerecht. Dieser Andere ist doch nicht fix und fertig vom Himmel gefallen, sondern das Produkt seiner Erziehung und Erfahrungen. Der Besserwisser hat das Leben des Anderen nicht gelebt, hat nicht seine Erfahrungen gemacht, steckt nicht in seiner Haut. Ergo hat er auch nicht das Recht, das Produkt dieses Lebens als richtig abzusegnen oder als falsch zu verurteilen.

Zweitens: Wenn man genau hinsieht, geht es den Änderungswütigen nicht wirklich um den Anderen. Ihnen geht es um sich selbst. Sie behaupten zwar, es sei „zu deinem eigenen Besten“, doch sie wollen nicht, daß der Andere das tut, was für ihn am besten ist. Sie wollen, daß er so ist wie sie. Sie kommen mit der Vielfalt des Seins, der Lebensweisen und Ansichten nicht zurecht, sind nicht in der Lage, über ihr eigenes jämmerliches Sein hinauszudenken oder es gar zu hinterfragen, und möchten daher, daß alle so sind wie sie selbst.

Ergo: Wer sich einbildet, andere nach seinen Vorstellungen ändern zu dürfen oder gar zu müssen, ist nicht nur anmaßend und selbstgerecht, sondern schlicht erbärmlich.